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Übersetzung: Carmen Roman. Copyright: Carmen Roman Von unserem Vater Basilius, dem Vater der Heiligen, Oberster Bischof von Caesarea in Kappadozien: Über den heiligen Geist. An Amphilochios, den Bischof der Heiligen in Ikonium. Kapitel I Vorwort: Ich lege die Notwendigkeit dar, die kleinsten Teile der Theologie zu erforschen. 1. Ich lobe deine Lernbegierde und deinen Fleiss, ich freue mich über die Massen, dass du verantwortungsvoll und besonnen bist. Daher weisst du, dass keine von den Aussagen ungeprüft bleiben darf, die zum Reden über Gott verwendet werden, o lieber Kopf, du bist für mich am wertvollsten im Vergleich mit anderen, Bruder Amphilochios. Du hast die Ermahnungen des Herrn wohl gehört, dass “Wer bittet, der empfängt, und wer sucht, der findet” (Luk. 11, 10). Du bittest mich angemessen und scheinst doch sehr zaghaft zu sein mit deiner bescheidenen Anfrage. Was ich aber an dir am meisten bewundere, ist, dass du nicht aus demselben Grund Fragen stellst wie viele andere, nämlich um jemanden anzugreifen, sondern um herauszufinden, was das Wahre ist. An “aufmerksamen” Leuten und solchen, die dauernd Fragen stellen, haben wir wahrlich grossen Überfluss. Mit wissbegieriger Seele schreiten sie zur Unkenntnis, die Wahrheit ist für sie sehr schwer zu finden, obwohl sie eifrig suchen. Bei den Fragen von vielen Leuten, die über uns hereinbrechen, kommt man sich vor wie in der Falle des Jägers, unter Verfolgung durch Krieger, wie bei heimlichen Anschlägen. Sie bringen Worte heraus..., und wenn sie kein Ziel erreichen und keine Antworten finden zur Befriedigung ihres Bemühens, denken sie, dies sei ein gerechtfertigter Grund für eine Schlacht. 2. Über den Törichten heisst es: “Der Tor kann als weise gelten, solange er schweigt” (Spr. 17, 28), und der verständige Hörer kommt zum “wunderbaren Rat” (Jes. 3, 3 LXX) schreibt der Prophet, wie wertvoll ist das für uns? Es ist recht, dass man es gelten lässt, dass wir mit Fleiss fortschreiten, alles vollbingen und vorwärts eilen zum Ziel. Es ist keine Beschäftigung für träge Fromme, die theologischen Aussagen nicht oberflächlich zu hören, sondern sich um jede Aussage und jede Partikel zu bemühen, indem man den verborgenen Sinn aufspürt, dies ist nur eine Möglichkeit für die, die den wahren Sinn unserer Berufung erkennen. Es ist uns bestimmt, Gott ähnlich zu werden, soweit es der Natur des Menschen möglich ist. Ähnlichkeiten aber gibt es nicht ohne Erkenntnis. Erkenntnis aber kommt aus dem Gelernten. Das Wort aber ist der Anfang der Lehre. Die Teile der Lehre sind Ausdrücke und Wörter. Wie man die Wörter “mit” und “in” erforscht, tut nichts zur Sache. Von so geringer Bedeutung wie es scheint, sind die Fragen zwar nicht, aber sie sind wert, beachtet zu werden. Da die Wahrheit schwer zu finden ist, spüren wir sie von allen Seiten auf. Denn wenn es zugeht wie bei der Fertigkeit der Künstler, dann ist es bei der Erlangung der rechten Frömmigkeit so, dass sie in kleinen Schritten wächst. Es gibt nichts Unwesentliches für die, die zur Erkenntnis gelangen. Wenn jemand Buchstaben beziehungsweise kleine Wörter geringschätzt, wird er nie die vollkommene Weisheit erreichen. Das Ja und das Nein, zwei kleine Wörter. Aber das höchste gute Ding, die Wahrheit, und der niederste Weg von bösen Dingen, die Lüge, ist oftmals in diesen kleinen Wörtern enthalten. Und was bedeutet das? Es wurde schon mancher, der für Christus Zeugnis ablegte, aufgrund einfachen Kopfnickens von allen Frömmigkeitspflichten entbunden. Wenn dies aber so ist, was von den theologischen Reden ist dann so gering, dass es, sei es schön oder nicht, nicht so gross wäre, für das eine oder andere den Ausschlag zu geben? Wenn vom Gesetz kein Iota und kein Strichlein vergehen wird, wie könnten wir ohne Bedenken die kleinsten Dinge unbeachtet lassen? Also, diese Partikel, die du mit meiner Hilfe erforschst, um sie genau zu bestimmen, sind kurz, aber auch sehr wichtig. Weil sie nur kurz ausgesprochen werden, scheinen sie wohl geringfügig zu sein. Durch den Sinn dessen, worauf sie deuten, sind sie aber gross, etwa so wie der Senf, dessen Same der kleinste von den Sträuchersamen ist, aber wenn ihm die angemessene Pflege zukommt, richtet er sich zu eigenständiger Grösse auf, indem er die Kraft entfaltet, die er in sich trägt. Wenn aber jemand lächelt, der unser “Geschwätz” - um wie im Psalm zu reden (Ps. 119, 85 LXX) - über die Partikel beobachtet, der wisse, dass er eine unbrauchbare Frucht erntet. Wir aber lassen uns nicht auf die Schmähungen der Menschen ein, auch ihre Geringschätzung bereitet uns nicht die Niederlage, dass wir etwa die Nachforschungen einstellen würden. Ich schäme mich auch nicht wegen der Kleinheit der Partikel, und wenn ich auch nur den kleinsten Teil ihres Wertes kennte, würde ich sie doch als grosse Werte ansehen, und dem Bruder, der mit uns forscht, würde der Lohn auch nicht gering erscheinen. Da ich nun sehe, dass wegen kleiner Worte ein sehr grosser Kampf geführt wird, zaudere ich - in der Hoffnung auf Lohn -, nicht betreff der Mühe. Ich meine, die Ausführungen werden für mich fruchtbringend sein, und für die Hörer werden sie einen bleibenden Nutzen bringen. Deshalb gehe ich nun mit ihm selbst, also dem heiligen Geist, an die Erörterung. Und wenn du mir auf dem Weg folgen willst, kehre ich ein wenig an den Anfang der Streitfrage zurück. 3. Ich betete neulich mit den Leuten, wir entrichteten zwiefachen Lobpreis Gott dem Vater, erst mit dem Sohn, mit dem heiligen Geist; dann aber durch den Sohn im heiligen Geist. Einige der Anwesenden inspizierten uns und sagten, wir gebrauchten fremdartige Ausdrücke, die sich auch einander widersprächen. Du aber, Amphilochios, kümmerst dich sehr um jene; wenn sie aber bezüglich dieser Angelegenheit unverbesserlich sind, hältst du es für angemessen, dass an sie eine kraftvolle Lehre über diese Worte ergeht. Wir wollen uns also kurz fassen wie Leute, die betreff der Entstehung eines Sachverhaltes übereinstimmen. Kapitel II Wie die Häretiker begannen, die Partikel zu beobachten. 4. In ihrer Beschränktheit bezüglich der Partikel und Ausdrücke sind diese Männer nicht ganz so harmlos, wie man es glauben könnte. Ihre Beschränktheit führt nicht etwa zu ein wenig Schlechtem, sondern sie bringt tiefe und finstere Anschläge gegen die Frömmigkeit mit sich. Sie sind eifrig darauf bedacht, Vater, Sohn und heiligen Geist ungleich erscheinen zu lassen, so dass daraus leicht der Beweis gezogen werden könnte, dass sie der Natur nach unterschiedlich sind. Für sie gilt als alte Klugheit von Aetios, dem Vorsteher dieser Sekte, was der in einem seiner Briefe geschrieben hat: “Die Ungleichheit der Naturen wird unterschiedlich dargestellt”. Und wiederum: “Was wir unterschiedlich darstellen, ist unterschiedlicher Natur”. Und um das zu untermauern, zitiert er das Wort des Apostels: “Es ist ein Gott und Vater, von dem alles kommt, und ein Herr Jesus Christus, durch den alles ist” (1. Kor. 8, 6). Sie sagen: Wie nun diese Worte zueinander stehen, so werden auch die Naturen durch diese Worte bezeichnet. Die Worte “von ihm” sind anders als die Worte “durch ihn”. Der Sohn ist also anderes als der Vater. So ergibt sich: Diese Männer sind verwirrt und entsprechend ist ihr Gerede. Wenn sie etwas im Blick auf Gott den Vater als etwas Besonderes nehmen, dann verwenden sie die Wörter “von ihm”; Gott dem Sohn teilen sie die Wörter “durch ihn” zu; und dem heiligen Geist die Wörter “in ihm”. Sie haben nie die Absicht, den Gebrauch der Wörter abzuändern. Damit, wie gesagt, durch die unterschiedliche Verwendung der Begriffe auch die Unterschiedenheit der Natur hervorgehoben wird. Aber man kann nicht verheimlichen, dass sie durch die Feinsinnigkeit der Begriffe an der frevelhaften Lehre vehement festhalten. Denn die Wörter “von ihm” wollen sie einem schöpferischen Wesen zulegen; und die Wörter “durch ihn” einem Helfer oder einem Instrument; und die Wörter “in ihm” zeigen einen Zeitpunkt an oder einen Ort, damit nicht der Schöpfer des Alls als höher erhaben angesehen werde, und damit auch der heilige Geist bezüglich Ort und Zeit zum Sein nicht mehr beizutragen scheint (als die Häretiker ihm zugestehen wollen. Anm. der Übersetzerin). Kapitel III Durch die von aussen kommende Weisheit entsteht der Sachverstand für den Umgang mit den Partikeln. 5. Die Aussenstehenden (profane Philosophen) geraten jedenfalls durch die Beachtung der Partikel “von ihm” und “durch ihn” zu einer Täuschung, da sie die Partikel je nach der Natur der Sache verteilen. Jene glauben, die Wörter “von ihm” erklären die Materie, die Wörter “durch ihn” stellen das Instrument vor oder, grundsätzlich, etwas, das eine unterstützende Funktion hat. Aber mehr noch: Was hindert denn alle, den Aussagen jener Männer entgegenzutreten, beziehungsweise das mit der Wahrheit nicht Zusammenhängende in Kürze durchzugehen? Die sich der unnützen Philosophie ergeben haben, erläutern die Natur der Ursachen vielfältig: Das eine erklären sie als originär, anderes als für unbedingt notwendige Ursachen, anderes als mitwirkend oder mit ursächlich, anderes als ursächlich für alles. Jeder Bezeichnung teilen sie nun etwas Charakteristisches zu und bezeichnen sie genau. Also wird der Schöpfer anders bezeichnet als das Werk. Sie denken, dem Schöpfer nämlich gebühren die Worte “von ihm”. Es sei korrekt ausgedrückt - sagen sie -, dass eine Bank “vom” Handwerker hergestellt wird. Betreff des Instruments heisst es “durch es”, denn - so sagen sie, es entsteht etwas “durch” Feile, Bohrer und andere Werkzeuge. Gleicherweise verwenden jene auch das “von/aus” ihm” als für Materie typisch: “aus Holz” sei nämlich ein Gegenstand gemacht. Das “gemäss...” erklärt den Gedankenplan oder das ausgeführte Abbild des Verfertigers. Wenn jemand also in Gedanken ein Werk vorzeichnet, dann bringt er seinen Plan in das Werk ein. Oder wenn jemand ein bestehendes Modell anschaut, wird er dem “gemäss” sein Werk herrichten. Das “durch ihn/es” wollen sie dem Ende vorbehalten, denn zum Gebrauch des Menschen wird eine Bank hergestellt. “In” lässt uns an Zeit oder Raum denken. Wann entstand etwas? In einer bestimmten Zeit. Und wo? An einem Ort. Wenn nun diese Wörter nicht bei dem stehen, was entsteht, bedeutet das nicht, dass ohne sie nichts entsteht. Es müssen doch bei geschaffenen Werken Zeit und Ort angegeben werden. Nachdem diese Leute dies erkannt, sich darüber gewundert und es als leeren Trug erkannt haben, haben sie auch die einfache und ungekünstelte Lehre über den heiligen Geist abgeschafft, setzen sogar das Wort Gottes herab und verwerfen den heiligen Geist. Aufgrund der Begriffe aber, die für seelenlose Werke verwendet werden oder für geringe und völlig belanglose als Hilfskonstrukt gebraucht werden - von den Aussenstehenden - sage ich: “Wodurch” zögern sie nicht, Lehrmeister des Universums zu werden und warum, Christen, schämt ihr euch nicht, dem Schöpfer der Welt - wie einer Säge oder einem Hammer - eine Bezeichnung zuzuweisen? Kapitel IV 6. Darin, wie die Schrift diese Partikel “von ihm” und “durch ihn” gebraucht, ist nichts Besonderes zu bemerken: Zwar gebrauchen wir oft diese Worte und betonen die Freiheit des Geistes. Aber wir sagen nicht, dass die Freiheit des Geistes sich in vielfacher Beziehung nach dem Minimalmass der Aussenstehenden (Philosophen) richtet, sondern, wie der Geist gerade will, wechselt er je nach Notwendigkeit seine Äusserungen. Das Wort “woraus” bezieht sich nicht in jedem Fall auf Materie, wie es jenen Philosophen scheint. Aber der Schrift ist es völlig vertraut, diese Worte aufgrund höchster Ursache zu überliefern, wie zum Beispiel: “Ein Gott, von dem alles kommt” (1. Korr. 8, 6), und wiederum: “Alles kommt von Gott” (1. Kor. 11, 12). Das Wort von der Wahrheit bedient sich gleichwohl auch oft für die Materie dieser Formulierung, zum Beispiel, wenn es heisst: “Mache eine Arche aus Tannenholz” (Gen. 6, 14) und “Mache einen Leuchter aus reinem Gold” (Ex. 25, 31), und “Der erste Mensch ist von Erde und irdisch” (1. Kor. 15, 47), und “Von Lehm genommen bin auch ich” (Hiob 33, 6). Aber, wie wir sagten, um den Unterschied der Naturen festzusetzen, erkennen die Philosophen nur dem Vater diese Aussage zu. Wenn wir nun die Prinzipien der Beobachtung den Aussenstehenden zugestehen, dienen sie diesen nicht völlig akribisch. Den Sohn bezeichnen sie, nach ihren philosophischen Gewohnheiten, wie ein Instrument, den Geist aber wie einen Ort. “Im Geist” sagen sie, und “durch den Sohn”; von Gott aber reden sie mit den Worten “von ihm”, mit den Fremden sind sie noch nicht darin überein gekommen, aber betreff der apostolischen Aussagen, wie sie sagen, gehen sie dazu über, wie man hört. “Durch ihn sind wir in Jesus Christus” (1. Kor. 1, 39), und “Alles kommt von Gott” (1. Kor. 11, 12). - Welche Schlussfolgerung ergibt sich nun aus dieser Art und Weise der Formulierungen? Die Natur hat nach den Philosophen eine andere Ursache, eine andere hat das Instrument, eine andere hat der Ort. Der Sohn hat eine andere Natur als der Vater, da ja auch das Instrument eine andere Natur hat als der Künstler. Auch der Geist ist anders, wie Ort und Zeit der Natur des Instruments sich unterscheiden von der Natur dessen, der die Instrumente benutzt. Kapitel V 7. Auch im Blick auf den Vater und den Sohn werden die Partikel “durch ihn” verwendet, und im Blick auf den Geist die Partikel “von ihm”. So also ist die Denkweise jener Philosophen. Wir aber zeigen auf, was wir schon vorangestellt haben, dass weder der Vater, für den die Wörter “von ihm” gelten, dem Sohn die Wörter “durch ihn” überlässt, noch auch der Sohn dem heiligen Geist - nach dem Prinzip jener Philosophen - mit den Wörtern “durch ihn” oder “von ihm” Gemeinschaft einräumt. So die Gliederung jener Philosophen. “So gibt es doch für uns nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn” (1. Kor. 8, 6). Dies sind nicht die Worte eines Gesetzgebers, sondern eines genau die Personen Unterscheidenden. Und zwar nicht, um die Unterschiedenheit der Naturen anzuzeigen, sondern um die Unvermengbarkeit von Vater und Sohn erkennbar aufzuzeigen, wie auch der Apostel vorbringt. So dass sich so nun die Aussagen nicht widersprechen, und auch nicht die Naturen, wie im Streit gegen eine feindliche Schlachtreihe, feindlich agieren und vorwärts rücken, um die anderen einzunehmen, das ist offenkundig. Der selige Paulus sagt: “Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge” (Röm. 11, 36). Diese Aussage bezieht sich klar ersichtlich auf den Herrn, auch wenn es jemand sagte, der eine geringe Auffassungsgabe betreff der Angelegenheit hätte. Der Apostel hatte eine Stelle aus dem Propheten Jesaja vorausgestellt: “Wer hat den Geist des Herrn gelenkt, und wer ist sein Ratgeber?” (Jesaja 40, 13), und er fügt hinzu: “Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge (Röm. 11, 36). Es geht dem Propheten Jesaja um das Wort Gottes, des Schöpfers der ganzen Schöpfung, fernerhin: “Wer hat ihn unterwiesen?” (Röm. 11, 36b). Das Wort “wer?’” bezieht sich in diesem Fall nicht auf etwas Unmögliches, sondern macht das Aussergewöhnliche offenbar, wie auch in dem Wort “Wer erhebt sich für mich gegen die Bösen, wer tritt für mich auf gegen die Übeltäter?” (Ps. 93, 16 LXX), und “Vom Himmel herab schaut der Herr, sieht alle die Menschen (Ps. 33, 13), und “Er stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechtem Pfade um seines Namens willen” (Ps. 23, 3). “Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles” (Joh. 5, 20). Der Sohn erhält die Weltordnung, bewirkt ihren Erhalt. Er ist es, der das Gleichgewicht der Gebirge, die Ausdehnung des Wassers und all dessen, was im Kosmos existiert, in rechter Ordnung erhält. Er ist es, der den ganzen Himmel bis ins Kleinste aus seiner Allmacht umfasst, die das prophetische Wort bildlich als Weite bezeichnet. So schreibt der Apostel entsprechend: “Aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge” (Röm. 11, 36). “Aus ihm” nämlich besteht die Ursache für die Entstehung allen Seins nach dem Willen Gottes, des Vaters. “Durch ihn” kommt allen Erhaltung und Bestehen zu. Alles teilt er auch der Schöpfung zur Errettung aller Erschaffenen zu. Daher also wendet sich alles zu ihm hin: durch einen unaufhaltsamen Willen und unsagbare, liebevolle Zuneigung blicken sie auf zu dem Urheber des Lebens und zu dem, der es leitet, wie geschrieben steht: “Alle warten auf dich” (Ps. 103, 27a LXX), und “Du öffnest deine Hand und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen” (Ps. 144, 16 LXX). 8. Wenn sich die anderen aber gegen unsere Verwendung der Partikel auflehnen, was sollte sie dann davon abhalten, dass sie sich offensichtlich gegenseitig bekämpfen? Auch wenn sie den Herrn nicht mit den drei Bezeichnungen benennen, “von ihm”, “durch ihn” und “in ihm”, müssen diese Partikel doch notwendig Gott dem Vater zugeeignet werden. Deshalb aber wird ganz gewiss ihre Betrachtung fehlschlagen. Es werden nicht nur die Wörter “aus ihm”, sondern auch die Wörter “durch ihn” im Blick auf den Vater verwendet. Wenn diese Worte nicht Niedriges anzeigen, wie kann man sie denn überhaupt auf den Sohn beziehen, als ginge es um etwas Geringes? Wenn diese Wörter aber eine dienende Funktion bezeichnen, werden die anderen uns antworten: Der Gott der Herrlichkeit und Vater des Christus, welcher Herrschaft dient er? So kreisen zwar jene um sich selbst, wir aber hüten unsere Kampffähigkeit von beiden Seiten. Wenn es erwiesen ist, dass die Aussagen sich auf den Sohn beziehen, wird sich herausstellen, dass die Wörter “von ihm” auf den Sohn anzuwenden sind. Wenn man beflissen ist, das Wort des Propheten auf Gott zu beziehen, muss man auch zustimmen, dass “durch ihn” eine Formulierung ist, die es sich ziemt, Gott zukommen zu lassen, und genauso sind folglich die beiden andern Partikel auf Gott anzuwenden. Und so beweisen jene Partikel beiden die selbe Ehre, sie beziehen sich auf ein und die selbe Person. Aber kehren wir zu unserem Thema zurück. 9. Der Apostel schreibt an die Epheser: “Wir sollen vielmehr, die Wahrheit in Liebe festhaltend, in allen Stücken hinanwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Und von ihm aus vollbringt der ganze Leib, durch alle sich unterstützenden Gelenke zusammengefügt und zusammengehalten, nach der jedem einzelnen Gliede zugemessenen Wirksamkeit das Wachstum des Leibes zu seiner eigenen Auferbauung in Liebe” (Eph. 4, 15-16). Und auch an die Kolosser, die die Erkenntnis des Einziggeborenen nicht hatten: “Und der sich nicht hält an das Haupt, von dem aus der ganze Leib durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengehalten, das Wachstum vollzieht, das Gott gibt” (Kol. 2, 19). Dass Christus das Haupt der Kirche ist, wissen wir aus einer anderen Aussage des Apostels: “Und alles hat er seinen Füssen unterworfen und hat ihn zum Haupt über alles der Kirche gegeben” (Eph. 1, 22). Und “Aus seiner Fülle haben wir alle genommen” (Joh. 1, 6). Und wiederum sagt der Herr: “Aus dem Meinigen wird er es nehmen und euch verkündigen” (Joh. 16, 4). Mit anderen Worten: Die Art der Verwendung der Worte “von ihm” ist vielfältig, wie sich dem zeigt, der sich gerne die Mühe macht zu lesen. Denn der Herr sagt auch: “Ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist” (Luk. 8, 46). Gleicherweise bemerken wir, dass auch über den Geist die Worte “von ihm” verwendet werden. “Wer auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten” (Gal. 6, 8). Und Johannes schreibt: “Daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat” (1. Joh. 3, 24). Und der Engel sagt: “Was in ihr gezeugt ist, das ist vom heiligen Geist” (Matth. 1, 20). Und der Herr sagt: “Was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist (Joh. 3, 16). So ist es also. 10. Jetzt zeige ich auf: Im Inhalt der Schrift sind die Partikel “durch ihn” so enthalten, dass sie gleichermassen auf Vater, Sohn und heiligen Geist angewendet werden. Denn es könnte darauf verzichtet werden, dem Sohn ein Zeugnis zuzulegen, und neben dem, was wir wissen, auch das dem Entgegengesetzte in Betracht zu ziehen. Ich zeige jetzt auf, dass auch im Blick auf den Vater die Partikel “durch ihn” verwendet werden. “Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn” (1. Kor. 1, 9). Und: Paulus, “Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes” (2. Kor. 1, 1). Und wiederum: “Somit bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe durch Gott” (Gal. 4, 7). Und an dieser Stelle: “Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist” (Röm. 6, 4). Und auch Jesaja sagt: “Weh über die, die niederträchtig ihre Pläne ausführen und nicht durch den Herrn” (Jes. 29, 15 Codex Sinaiticus. Übersetzung: Carmen Roman). Viele Aussagen über den Geist sind so bezeugt. Der Apostel sagt: “Gott hat es uns geoffenbart durch den Geist” (1. Kor. 2, 10). Und wiederum: “Dem einen wird durch den Geist Weisheitsrede gegeben” (1. Kor. 12, 8). 11. Wir müssen dasselbe auch über das kleine Wort “in” sagen, und zwar, dass in der Schrift der Gebrauch des Wortes “in” auch für Gott den Vater üblich ist. Zum Beispiel im Alten Testament: “In Gott werden wir Taten tun” (Ps. 107, 14 LXX). Und: “In deinem Namen werde ich singen” (Ps. 70, 6 LXX: Übersetzung: Carmen Roman). Wiederum: “In deinem Namen werde ich jubeln” (Ps. 88, 17 LXX. Übersetzung: Carmen Roman). Bei Paulus heisst es: “In Gott, in dem alles erschaffen ist” (Eph. 3, 9). Und: “Paulus und Silvanus und Timotheus an die Gemeinde der Thessalonicher in Gott, unserem Vater” (2. Thess. 1, 1). Und: “Wenn mir im Willen Gottes irgendwann gegeben würde, zu euch zu kommen” (Röm. 1, 10. Übersetzung: Carmen Roman); und: “Du rühmst dich in Gott” (Röm. 2, 17. Übersetzung: Carmen Roman). Solche Stellen sind nicht leicht zu zählen. Wir haben aber nicht mehr Schriftstellen als Beleg anzuführen, aber wir haben den Beweis, dass die anderen keine gute Beobachtungsgabe haben. Ich muss also offensichtlich nicht aufzeigen, dass dieses kleine Wort “in” auf den Herrn und den heiligen Geist angewandt wird, ich werde es selbstverständlich übergehen. Es muss aber unbedingt dafür gesorgt werden, dass der verständige Hörer einen ausreichenden Beweis erhält, und zwar aus dem Gegenteil (dessen, was der Hörer erwartet. Er erwartet die Auflistung weiterer Belege). Denn wenn die Begriffe unterschiedlich angewendet werden und dadurch die Natur der Wesenheiten (Hypostasen: Vater, Sohn, Geist) zum Ausdruck gebracht werden, dann kann auch den anderen das Wesen der Hypostasen nicht unzweifelhaft bleiben. 12. Es besteht nicht nur eine theologische Notwendigkeit, die Begriffe unterschiedlich zu verwenden, sondern auch häufig gegeneinander auszutauschen betreff ihrer Bedeutung, wenn ein Begriff die Bedeutung des anderen enthält. Zum Beispiel: “Ich habe einen Sohn bekommen durch Gott” (Gen 4,1) sagt Adam, das bedeutet so viel wie von Gott. Und weiter: “Alles, was Mose Israel verordnete durch Gottes Anweisung” (3. Mose 8, 21). Weiterhin: “Geschieht nicht durch Gott die Auslegung der Träume?” (Gen. 40, 8 LXX). Josef sagte über seine Träume im Gefängnis zu den anderen ganz klar: “durch Gott” anstelle von “aus Gott”. Demgegenüber hat Paulus die Wörter “aus ihm” anstelle von “durch ihn” verwendet, wenn er sagt: “geboren von einer Frau” (Gal. 4, 4) anstelle von “durch” eine Frau. Dies war uns schon an anderer Stelle klar, dass das Geborenwerden des Menschen mit “aus” einer Frau bezeichniet wird, aber über den Mann wird gesagt: “durch die Frau”: “Wie die Frau vom Mann stammt, so ist auch der Mann durch die Frau” (1. Kor. 11,12). Kapitel VI Entgegnung an die, die lehren, der Sohn sei nicht mit dem Vater gleich, sondern dem Vater nach zu ordnen. Es ist zu lehren, dass dem Vater und dem Sohn die gleiche Ehrerbietung zu entbieten ist. 13. Sie können nicht aus Unkenntnis flüchten, so “kunstgerecht” und hämisch sie die Sache auch betreiben. Wahrlich, sie sind uns gegenüber ungehalten, weil wir den Lobpreis gegenüber dem Einziggeborenen mit dem Vater den Lobpreis vervollständigen, und weil wir den heiligen Geist nicht vom Sohn abgrenzen (absetzen). Wenn wir etwas erneuern, Neuerungen einführen und Erfinder von Aussagen sind, wegen welcher “tadelnswerten” Begriffe sagen sie nicht ihre Meinung? Ich bin weit entfernt, zornig über diese Schelte zu sein, denn wenn dieser Schaden ihnen weder Leiden bringt noch unablässigen Schmerz, würde ich ihnen fast danken für die Blasphemie, denn den seliggepriesenen Gästen wird gesagt: “Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Arge wider euch reden um meinetwillen” (Matth. 5, 11). Aus folgenden Gründen stellen sie sich den Neuerungen entgegen: Sie sagen: Nicht mit dem Vater gleich ist der Sohn, sondern dem Vater nach zu ordnen. Daraus folgt, dass sie die Ehre dem Vater entgegenbringen, aber nicht mit ihm. Denn die Wörter “mit ihm” offenbaren die gleiche Verehrungswürdigkeit. Aber die Wörter “durch ihn” zeigen einen Dienst an. Sie sagen: Weder mit dem Vater noch mit dem Sohn ist der heilige Geist zu stellen, aber unter den Sohn und den Vater, also nicht gleichzustellen, sondern untergeordnet, auch nicht mit ihm gleich zu zählen, sondern untergeordnet zu zählen. Und durch solche spitzfindigen Reden verkehren sie die Einfachheit und Einfältigkeit des Glaubens. Wenn nun jemand keine Entschuldigung kennt, sind die nicht, weil sie von den anderen keine Ahnung haben, ihrer Streitsucht zu überlassen? 14. Zuerst fragen wir die anderen, wie sie die Wörter “nach dem Vater” auf den Sohn beziehen. Wenden sie sie auf die Zeit, den Rang oder die Würde an? Niemand kann so unverständig sein, den Schöpfer der Welt an die zweite Stelle zu setzen, in der Natur von Vater und Sohn ist eine Verbundenheit, kein Abstand. Aber die Menschen nehmen sich nicht bewusst vor, den Vater nach dem Sohn zu positionieren, sie erkennen, dass Vater und Sohn miteinander in Beziehung stehen, und indem man das zeitliche Element als zweites nennt, das tatsächlich einen Abstand beinhaltet. Aber nach der Erkenntnis der Menschen kann auf keinen Fall der Sohn nach dem Vater stehen, da man erkennt, dass sie miteinander in Verbindung sind, auch, wenn man den Sohn zeitlich als zweiten nennt. Tatsächlich ist das eine Element zeitlich vom Jetzt entfernt. Das Erste war vor dem Jetzt. Zum Beispiel geschahen die Ereignisse um Noah vor denen von Sodom, sie hatten sich lange vor diesen ereignet. Und die Geschichte von Sodom geschah später als die um Noah, denn sie erscheint viel näher am Jetzt. Wäre es nicht ein Frevel und die allergrösste Torheit, das Leben, das über alle Zeit und alle Epochen hinausgeht, bezüglich eines Abstands zu messen? Werden und Vergehen des Lebens finden nacheinander statt. So aber nun muss Gott dem Sohn, wie Gott dem Vater, zugemessen werden, vor den Weltzeiten zu existieren. Aber die Vorrangstellung des unsichtbaren Vaters ist unfassbar, mit anderen Worten weder Gedanken noch Erkenntnis erfassen die Entstehung des Herrn. So bezeichnet Johannes deutlich die Erkenntnis innerhalb enger Grenzen, indem er zwei Wörter sagt: “Am Anfang war das Wort” (Joh. 1, 1). Das Wort “war” ist für die Erkenntnis ohne Ausgang. Das Wort “Anfang” ist unüberschreitbar für die Vorstellung. Und wie du dich befindest, wenn du das Jenseitige des Sohnes schaust, kommst du nicht hinter den “Anfang” zurück. Demgemäss ist es fromm und recht, sich den Sohn gleichzeitig mit dem Vater vorzustellen. 15. Die anderen ordnen den Sohn dem Vater unter, als stünde der Vater darüber, den darauf und darunter folgenden Platz gesteht man dem Sohn zu. Wenn sie so reden, dann werden wir schweigen, denn das ist völlig absurd. Denn auch an dem, was aus diesen Behauptungen folgt, halten sie fest, die dem Vater nicht zugestehen, sich überall zu befinden, wo doch die Vorstellung der Klardenkenden beinhaltet, dass Gott alles erfüllt. Man erinnert sich nicht an die Worte des Propheten: “Stiege ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; schlüge ich mein Lager in der Unterwelt auf - auch da bist du” (Ps. 139, 8), die das Hinauf und Hinunter zum Vater und Sohn voneinander trennen. Da ich nun den Beweis ihrer Ahnungslosigkeit nicht extra benenne, - ‘den Körperlosen einen Ort zuweisen’ (!) -, wie erst den Kampf besänftigen, den sie gegen die Heilige Schrift führen und ihr so sehr widersprechen, dass sie unverschämt sind, zum Beispiel bezüglich “Setze dich zu meiner Rechten” (Ps. 110, 1). “Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens” (Hebr. 1, 3). Die “Rechte” bezeichnet nicht einen niederen Ort - wie sie sagen -, sondern ist eine Bezeichnung des selben Platzes. Es handelt sich nicht um die Rechte in körperlicher Hinsicht - als wenn es auch eine linke Seite von Gott gäbe -, sondern es wird die Würde der erhabenen Anwesenheit bezeichnet, die Würde, die dem Sohn zukommt. Es steht noch aus, dass sie eine untergeordnete Würde aufgrund dieser Bezeichnung schlussfolgern. Sie haben doch gelernt, dass Christus “Gottes Kraft und Gottes Weisheit” (1. Kor. 1, 24) ist und dass er “das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist” (Kol. 1, 15); und dass Gott der Vater dies besiegelt hat, indem er sich ganz in ihm abbildet. Sagen wir nun, dass alle diese Zeugnisse der Schrift und alle gleichartigen Aussagen den Sohn herabwürdigen oder wie eine Ausrufung sind, so dass sie die Erhabenheit des Einziggeborenen und seine Gleichheit der Herrlichkeit mit dem Vater verkündigen? Sie haben auch gehört, dass der Herr darlegt, dass er die gleiche Würde der Herrlichkeit mit dem Vater hat, wenn er sagt: “Wer mich sieht, der sieht den Vater” (Joh. 14, 9), und “damit sie den Sohn ehren wie sie den Vater ehren” (Joh. 5, 23), und “Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie der einzige Sohn von seinem Vater hat” (Joh. 1, 14), “der einzige Sohn, der im Schoss des Vaters ist” (Joh. 1, 18). Wenn wir dies nicht berücksichtigen, ist der von den Feinden bezeichnete Raum dem Sohn aufgebürdet, denn der Schoss des Vaters ist der angemessene Stuhl für den Sohn, aber der Platz des Fussschemels ist für die, die sich nachstehend unterordnen. Wir wenden uns zwar nun anderem zu und haben Zeugnisse gestreift. Du aber musst allmählich die Beweise zusammentragen, damit die Erhabenheit der Herrlichkeit und die Überfülle an Kraft des Einziggeborenen betrachtet werden kann. Für einen guten Zuhörer sind das wohl keine kleinen Dinge, wenn er nicht menschlich und mit niederer Gesinnung von der “Rechten” und dem Schoss hört, wenn er Gott räumlich eingrenzt und ihn nicht in einer Form, Gestalt und körperhaften Lage beschreibt. Diese Sichtweise ist auch weit entfernt von der Erkenntnis eines einfachen, unendlichen und körperlosen Wesens. Auch für jemanden, dessen Erkenntnis gering ist, haben der Vater und der Sohn die gleiche Stellung. Wenn jemand die Würde des Sohnes mindert und sich rechter Erkenntnis entzieht, dann zieht er das Urteil wegen Gotteslästerung auf sich. Was jemand gewagt hat, dem Sohn darzubringen, das muss er notwendig auch dem Vater geben. Wer aber dem Vater den höchsten Platz in der Höhe gibt, aber sagt, der einziggeborene Sohn stehe darunter, muss sich folglich alles Weitere körperhaft vorstellen. Wenn aber Menschengeist sich in Weinlaune oder Fieberwahn solches zurecht phantasiert, wie kann es dann der Frömmigkeit, der Anbetung, dem Herrlichpreisen gemäss sein, den Sohn nicht mit dem Vater anzubeten und zu preisen, wenn man klug ist und weiss, dass “Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht” (Joh. 5, 23)? - Was aber wollen wir noch sagen? Welch gute Verteidigung rufen wir vor dem ehrwürdigen und öffentlichen Prozess der ganzen Schöpfung an, da doch der Herr gewiss verheissen hat, er komme in der Herrlichkeit des Vaters, und Stephanus sah “Jesus in der Höhe zur Rechten Gottes “(Apg. 7, 55), und Paulus bezeugte im Geist über Christus, dass “er zur Rechten Gottes ist” (Röm. 8, 34); und der Vater hat gesagt: “Setze dich zu meiner Rechten” (Ps. 110, 1), und der heilige Geist bezeugt, dass er zur Rechten der Majestät Gottes sitzt (Apg. 2, 34; Hebr. 1, 3). Versetzen wir nun den auf gleichem Thron und den gleich zu Ehrenden vom selben Platz auf eine niedrigere Stufe herunter? Ich glaube nämlich, durch die Stellung in der Höhe und das Sitzen zur Rechten wird das absolute Bestehen der Natur nahegelegt, wie Baruch es ausdrückt, um die Unbeweglichkeit und Unwandelbarkeit von Gottes Existenz hervorzuheben, er sagt: “Du thronst in der Ewigkeit, wir vergehen immerdar” (Bar. 3, 3). Der Platz zur Rechten bedeutet offenbar die gleiche Verehrungswürdigkeit. Wie kann man nun nicht mutig genug sein bezüglich der gemeinsamen Verehrung und sie dem Sohn vorenthalten, als wenn er an einem Platz niederer Ehre einzuordnen wäre? Kapitel VII Ich wende mich an die, die sagen, im Blick auf den Sohn sei es nicht angemessen, die Wörter “mit ihm” anzuwenden, aber die Wörter “durch ihn” seien anzuwenden. 16. Sie sagen, es sei völlig ausgeschlossen und ungewöhnlich, die Wörter “mit ihm” im Blick auf den Sohn anzuwenden. Dagegen seien aber die Wörter “durch ihn” in der Sprache der Schrift ganz heimisch und bei den Brüdern im Gebrauch. Was antworten wir nun darauf? Selig sind die Ohren, die uns nicht gehört haben, und die Herzen, die unsere Reden nicht vernommen haben. Aber uns, denen, die Christus lieben, sage ich, dass die Kirche den Gebrauch beider Formulierungen kennt und keine der Formulierungen ablehnt, als würde eine die andere ausschliessen. Denn wenn wir die Grösse der Natur des Einziggeborenen schauen und auch die Würde seiner hohen Stellung, dann muss ihm mit dem Vater die Ehre erwiesen werden. Und wenn wir die Wohltaten erkennen, oder wenn wir zur Gemeinschaft mit Gott gelangen, bekennen wir die “durch ihn” und “in ihm” gewirkte Gnade. Also ist die Formel “mit ihm” angemessen, um den Lobpreis zu entrichten, die andere “durch ihn” besser zu wählen, um Dank darzubringen. Es stimmt auch nicht, dass die Wörter “mit ihm” auf keinen Fall von den Gottesfürchtigen angewendet werden. Alle Aufrichtigen ziehen das ehrwürdige Ältere der Neuerung vor, und, ohne die Überlieferung der Väter abzuändern, ob in Stadt oder Land, wird diese Bezeichnung verwendet. Die von den vertrauten Sitten genug haben und die alten Bräuche aufgeben, als wären sie schal geworden, das sind die, die Neuerungen übernehmen wie Leute, die sich dauernd mit wechselnder Kleidung schmücken und das Neuste bevorzugen. Du kannst also bei den “bäurischen” Leuten jetzt noch ältere Formulierungen sehen. Bei den für die Wortgefechte geölten Leuten hörst du dagegen Reden, die durch die neue Weisheit geprägt sind. Wie nun unsere Väter sagten, so sagen auch wir, dass wir, da die Ehre, die dem Vater und dem Sohn gemeinsam gehört, dem Vater mit dem Sohn den Lobpreis entgegen bringen. Aber es ist uns nicht genug, dass dies die Überlieferung der Väter ist. Denn sie folgten dem Willen der Schrift, aus den Zeugnissen, die wir kurz zuvor aus der Schrift nahmen, empfangen wir jetzt: Der Abglanz wird mit der Herrlichkeit erkannt; und das Bild mit dem Urbild; und der Sohn mit dem Vater. Weder die Reihenfolge der Bezeichnungen noch die Natur der Dinge lassen zu, dass eine Trennung vorgenommen wird. Kapitel VIII Ich lege dar, dass die Wörter “durch ihn” auf verschiedene Art und Weise verwendet werden und in welcher Bedeutung die Wörter “mit ihm” passender sind; und ich lege dar, wie der Sohn Befehl empfängt und wie er gesandt ist. 17. Wie nun der Apostel “Gott” Lob darbringt “durch Jesus Christus” (Röm. 1,8) und auch sagt, durch ihn habe er die Gnade empfangen und “durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben, um für seinen Namen Gehorsam des Glaubens zu bewirken unter allen Heiden” (Röm. 1,5), oder auch, dass wir durch ihn Zutritt haben “zu dieser Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns” (Röm. 5, 2), so zeigt er uns die Wohltaten auf, die der Sohn uns vom Vater dank seiner guten Gnade überbringt, und so bringt er uns durch ihn zum Vater. Denn wenn er sagt: “Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen” (Röm. 1,5), sagt Paulus, von woher das Vermögen der Wohltaten offenbar kommt. Und wenn er sagt: “Durch ihn haben wir Zutritt” (Röm. 5,2), macht er deutlich, dass wir durch Christus von Gott angenommen sind und durch Christus mit ihm Gemeinschaft bekommen. Also, ist nun das Lobpreisen seiner Gnadenwirkung, die durch ihn auf uns kommt, eine Minderung seiner Herrlichkeit? Oder, enthält es nicht noch mehr Wahrheit, wenn wir sagen, dass die Aufzählung der Wohltaten der angemessene Inhalt der Doxologie ist? So entdecken wir, dass die Schrift uns den Herrn nicht nur mit einer Bezeichnung überliefert, auch nicht mit solchen Bezeichnungen, die seine Göttlichkeit und Grösse offenbaren, sondern sie bedient sich der Bezeichnungen, die die Wesensmerkmale seiner Natur benennen. Denn sieh, “der Name, der über allen Namen ist” (Phil. 2, 9), meint den Namen des Sohnes, des wahren Sohnes und einziggeborenen Gottes, und die Kraft Gottes, und die Weisheit und den Logos. Und wiederum, durch die vielfältige Art der Gnade in uns, die durch den Reichtum seiner übergrossen Güte gemäss seiner mannigfaltigen Weisheit zu denen kommt, die sie erbitten, bezeichnet die Schrift ihn mit vielen Wörtern: Ob sie ihn als Hirten bezeichnet oder als König, und wiederum als Heiler, ob sie ihn als Bräutigam bezeichnet, als Weg, als Tür, als Quelle, Brot, Axt oder Fels. Mit all diesen Wörtern wird nicht die Natur bezeichnet, sondern, wie gesagt, die Vielfältigkeit der Wirkungen, die aus seiner Barmherzigkeit kommen, die auf uns Bittende kommt wie wir bedürfen. Die sich unter seinen Schutz flüchten und Grossmut in Geduld üben, der Herr nennt sie seine Herde, und er, der Hirte, kennt sie, sie gehorchen seiner Stimme und nehmen keine fremden Lehren an. Er sagt: “Meine Schafe hören meine Stimme” (Joh. 10, 27). Er ist aber der König derer, die schon droben sind und die eine rechtmässige Fürsorge brauchen. Und er ist eine Tür, denn er führt die durch wahre Tugend mit rechtschaffenen Anordnungen hindurch und bringt sie zurück zur Ruhe, die, die auf die gute Erkenntnis hin durch den Glauben an ihn Zuflucht finden. Daher: “Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden, und er wird ein und aus gehen und Weide finden” (Joh. 10, 9). Er ist auch ein Fels, da er eine Kraft ist und den Gläubigen ein gewisser und ganz sicherer Hort. In diesen Schriftstellen sind die Wörter “durch ihn” passender im Gebrauch und leicht zu verstehen, wenn von einer Tür oder einem Weg die Rede ist. Aber, wie Gott und der Sohn, mit dem Vater und zusammen mit ihm. “Im Namen Jesu sollen sich alle Knie beugen derer, die droben im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind, und alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters” (Phil. 2, 10-11). Deshalb werden beide Formulierungen verwendet, durch die eine wird seine eigene Würde ausgedrückt, durch die andere seine Gnade uns gegenüber. 18. Denn durch ihn kommen alle Wohltaten zu den Seelen, und im Blick auf jede Art seiner Fürsorge gibt es für ihn eine Bezeichnung: Wenn von der untadeligen Seele die Rede ist, die weder Flecken noch Makel hat und wie eine reine Jungfrau dasteht, dann wird der Herr als Bräutigam bezeichnet. Wenn von der Seele in der Hinsicht die Rede ist, dass sie durch die bösen Anschläge des Teufels Schaden nimmt und davon, dass sie geheilt wird von der grossen Sündenschwäche, dann wird der Herr als Heiler bezeichnet. Führt nun diese unsere Besorgnis zu niederen Gedankengängen? Oder führen sie im Gegenteil zum Erstaunen über die Grösse der Kraft und auch zur Menschenliebe des Retters, die so gross ist, dass er auch Mitleid mit unseren Schwachheiten hat und er sogar bis in unsere Schwachheit hinabkommen konnte? Denn weder der Himmel noch die Erde, noch die vielen Sterne, noch die im Wasser wohnen, noch die auf der Erde leben, weder die Pflanzen noch die Sterne, die Luft, die Jahreszeiten und die Mannigfaltigkeit des Alls, nichts beweist so sehr die Hoheit seiner Macht und wie er das Unendliche vermag, bar jeder Gefahr, vom Fleisch umfangen zu werden zum Tode, damit wir ebenso die Unversehrtheit erhalten. Wenn nun der Apostel sagt, “In diesem allen obsiegen wir durch den, der uns geliebt hat” (Röm. 8, 37), benennt er mit diesen Wörtern nichts Niederes, sondern die in der Stärke der Kraft wirkende Wohltat. Christus hat den Starken gebunden (siehe Matth. 12, 29), seinen Hausrat geraubt, uns, die der Starke zu allem schlechten Werk gebrauchte, und er verschaffte dem rechten Hausherrn eine gute Ausstattung seines Hauses: Menschen, die bereit sind zu gutem Werk. Diese Bereitschaft kommt aus uns selbst. So haben wir durch ihn Zutritt zum Vater, versetzt von der Macht der Finsternis in “den Anteil der Heiligen im Licht” (Kol. 1, 12). Den Heilsplan, den der Sohn bringt, begreifen wir nicht als einen aus knechtischer Haltung erwiesenen Dienst, sondern als die freiwillige Fürsorge, aus Gutem und Erbarmen, gemäss dem Willen Gottes des Vaters, aufgrund seines eigenen Plans. So werden wir nun in der Frömmigkeit bleiben in allem, was wir vollführen, die Kraft seines Willens bezeugen und niemals seinen Willen von dem des Vaters abspalten. So dass wir nun, wenn wir sagen, der Herr ist ein Weg, zu einer höheren Einsicht kommen, also meinen wir nicht die, die wir jetzt haben. Durch die Werke der Gerechtigkeit und die Erleuchtung der Erkenntnis folgen wir fortschreitend dem Weg, Schritt für Schritt, wir recken uns aus nach dem, was vor uns ist, töten ab, was wir hinter uns lassen, bis wir am seligen Ziel ankommen: die völlige Gotteserkenntnis, die der Herr durch sich selbst denen gnädig gibt, die an ihn glauben. In der Tat, ein guter Weg, von dem man nicht abkommt und von dem man nicht weg irrt, unser Herr, der wahrlich gut ist, führt uns auf ihm zum Vater. Er sagt: “Niemand kommt zum Vater, ausser durch mich” (Joh. 14, 6). So ist nun unser Weg zu Gott hinan: durch den Sohn. 19. Es ist nun andererseits noch auszuführen, auf welche Weise das Gute vom Vater durch ihn auf uns kommt. Alle Natur in der Schöpfung, in der sichtbaren und in der vorstellbaren, braucht zu ihrem Bestehen die Fürsorge Gottes. Der Schöpfer-Logos, der einziggeborene Gott, teilt seine Hilfe zu wie jedes es nötig hat, vielfältig und gänzlich durch reichhaltige Verschiedenheit seiner Möglichkeiten. Er erleuchtet die von der Finsternis der Unkenntnis Umfangenen. Deshalb ist er das wahre Licht. Er richtet, indem er zuteilt, was den Taten angemessen ist. Deshalb ist er ein gerechter Richter. “Denn der Vater richtet niemanden, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben” (Joh. 5, 22). Er erhebt die Abgefallenen, die im Leben tief in Sünde gefallen waren. Deshalb ist es eine Auferstehung. Das alles tut er durch Anwendung seiner Kraft und wirkt durch seinen guten Willen. Er weidet, erleuchtet, speist, führt, heilt, erweckt. Er gibt dem Nichtseienden das Sein, er erhält das Erschaffene. So kommen die Wohltaten aus Gott durch den Sohn zu uns, er wirkt sie schneller, als ein Wort es vermag. Weder Blitz noch Licht in der Luft bewegen sich so schnell, nicht das Zwinkern der Augen, nicht unsere Gedankengänge; sie alle bleiben hinter dem göttlichen Wirken zurück, und zwar mehr noch als die langsamsten Lebewesen; ich würde das weder auf die Vögel beziehen noch auf die Winde oder auf die Himmelsbewegungen, sondern auf unseren Geist selbst, was seine mangelnde Bewegung angeht. Welche bestimmte Zeit sollte er brauchen, “der das All geschaffen hat durch sein kräftiges Wort” (Hebr. 1, 3), und es sind keine körperartigen Werke noch waren Hände vonnöten zur Schöpfung, sondern durch seinen freien, ungezwungenen Willen ergibt sich die Natur alles Erschaffenen. Wie Judith sagt: “Du hast gedacht, und alles, was du gedacht hast, steht vor dir” (Judith 9, 5). Nun aber, bei der Grösse seiner Werke, sollten wir nicht zu der Vorstellung kommen, der Herr wäre ohne Prinzipien. Wie sagt das eigentliche Leben: “Ich lebe durch den Vater” (Joh. 6, 57). Und die Kraft Gottes sagt: “Der Sohn kann nichts aus sich selber tun” (Joh. 5, 19). Und die absolute Weisheit sagt: “Ich habe Auftrag empfangen, was ich sagen und was ich reden soll” (Joh. 12, 49). Durch all dies führt er uns zur Erkenntnis des Vaters, ihm bringt er das Staunen der Erschaffenen, damit wir durch ihn den Vater erkennen. Denn er wird nicht aufgrund dessen erkannt, dass etwa seine Werke sich von denen des Vaters dadurch unterschieden, dass sich bei ihnen eine eigentümliche und besonders plazierte Wirkung zeigen würde, - so dass, was er den Vater tun sieht, der Sohn gleichermassen tut -, sondern er nimmt - aus der Herrlichkeit des Einziggeborenen - das Staunen entgegen, das die Erschaffenen hervorbringen bezüglich der Grösse seiner Werke, sie frohlocken und erheben den Vater unseres Herrn Jesus Christus als den, der sie erschuf, denn “durch ihn und zu ihm ist alles geschaffen” (Hebr. 2, 10). Deshalb sagt der Herr. “Alles was mein ist, ist dein” (Joh. 17, 10), so dass er dem Vater die Herrschaft über die Erschaffenen zurückgibt. “Und was dein ist, ist mein” (Joh. 17, 10), so dass ihm von dorther die Schöpfergewalt zukommt; nicht dass ihm Hilfe oder Zufuhr für sein Wirken zugeteilt werden müsste, und nicht, dass ihm für jedes seiner Werke Unterstützung gegeben würde. Das wäre die Rolle eines Dieners, die von göttlicher Würde sehr weit entfernt wäre. Der Logos ist vielmehr erfüllt mit dem Guten des Vaters: er hat den Glanz des Vaters, er tut alles wie der, der ihn zeugte. Da er also in seinem Wesen unveränderlich ist, ist auch seine Kraft unveränderlich. Deren Kraft also gleich ist, deren Werke sind auch völlig gleich. Denn Christus ist “die Kraft und Weisheit Gottes” (1. Kor. 1, 24). Und so “ist alles durch ihn geschaffen” (Joh. 1, 3), und “alles ist durch ihn und zu ihm geschaffen” (Kol. 1, 16), nicht dass er einen instrumentalen oder sklavischen Dienst erfüllt, sondern er vollführt den schöpferischen und väterlichen Willen! 20. Wenn er also sagt: “Ich habe nicht von mir aus geredet”, und auch “Wie der Vater mir gesagt hat, so rede ich” (Joh. 12, 49-59), und “Das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat” (Joh. 14, 24), bedeuten diese Aussagen nicht, dass er willenlos oder wortlos wäre, oder dass er gar auf ein Signal warten müsste, das sein Handeln veranlasst, sondern dass er mit dem Vater gemeinsame und ungeteilte Sinnesart hat. Den erwähnten Auftrag können wir also nicht als durch eine Stimme beziehungsweise wie durch ein Organ hervorgegangen ansehen, die dem Sohn wie einem Untergeordneten Anordnung gäbe, sondern wir verstehen es so, dass ihm der Auftrag auf göttliche Weise gegeben wird. Wie eine Gestalt im Spiegel erscheint, die in Ewigkeit vom Vater in den Sohn gelangt. “Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles” (Joh. 5, 20). So dass alles, was der Vater hat, dem Sohn gehört, nicht nach und nach kam es ihm zu, sondern auf einmal. Man kann auch im Blick auf die Menschen nicht sagen, dass jemand, der seine Kunst versteht, die er lange praktiziert und darin Fertigkeiten erworben hat, von sich aus nach der vorhandenen Kenntnis alleine Werke erschaffen kann. Man kann auch nicht sagen, dass die Weisheit Gottes, der der Schöpfer alles Geschaffenen ist, der allezeit Vollkommene, der weise ist, ohne gelehrt worden zu sein, die Kraft Gottes, “in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen liegen” (Kol. 2, 3), teilweise Anweisungen nötig hätte, damit ihm die Art und Weise oder gar das Mass seiner Werke bestimmt würde. (Hier ein Vergleich: Stell dir vor,) du würdest eine Schule eröffnen, die deiner Vorstellung von Lehre entspricht, und du würdest auch einen zum Oberlehrer machen, und, obwohl du diesen eingesetzt hättest, würdest zu ihm einen zur Seite stellen, - unwissend wie ein Schüler. Dann, durch die nach und nach stattfindenden Lektionen, wird er die Weisheit lernen und zur Vollkommenheit fortschreiten? Daraus folgt, wenn du also die Schlussfolgerung behaupten könntest, würdest du zwar finden, dass der Sohn für sich lernt, aber nie zur Vollkommenheit gelangen könnte, denn die Weisheit des Vaters ist unendlich, und man könnte das Ende des Unendlichen nicht fassen. Wer nun nicht voraussetzt, dass der Sohn alles seit Anfang vom Vater hat, wird nie schlussfolgern, dass er zum Vollkommenen kommt. Ich schäme mich dieser niederen “Kenntnis”, zu der mich der Gedankenfluss gelangen liess. Kommen wir nun zum oben genanten Anliegen zurück! 21. “Wer mich sieht, der sieht den Vater” (Joh. 14, 9): weder die Eigenart noch die Gestalt (des Vaters), denn die göttliche Natur ist von reiner Art. Aber das Gutsein des Willens, das wir als zum Sein gehörig rechnen, ist ähnlich und gleich, mehr noch: es ist dasselbe, im Vater und im Sohn! Was heisst nun “gehorsam geworden” (Phil. 2, 8), und “für alle hat er ihn dahingegeben” (Röm. 8, 32)? Es bedeutet, dass der Vater dem Sohn das Gute wirkte, das gemäss dem Guten zum Menschen kommt. Du aber, höre auch dies: “Christus hat uns von dem Fluch des Gesetzes losgekauft” (Gal. 3, 13), und “Christus ist für uns gestorben, als wir noch Sünder waren” (Röm. 5, 8). Merke wohl und sehr genau auf die Worte des Herrn, dass er, wo er uns über den Vater etwas beibringt, er mit mächtigen und gebieterischen Worten spricht: “Ich will, sei gereinigt!” (Matth. 8, 3), und “Schweig, sei still!” (Mark. 4, 39) und “Stummer und tauber Dämon, ich gebiete dir!” (Mark. 9, 25), und viele andere solche Worte. So spricht er, damit wir dadurch unseren Herrn und Meister erkennen, und auch den Vater unseres Herrn und Meisters gelehrt bekommen. So tut das Wort der Wahrheit uns kund, dass der Vater durch den Sohn schafft. Dies beinhaltet keine Unvollkommenheit der Schöpfertätigkeit des Vaters, auch nicht irgend eine Schwäche in der Tätigkeit des Sohnes, sondern es beinhaltet das Einssein im Willen! Also huldigt die Formel “durch ihn” der Tatsache, dass der Sohn die prinzipielle Ursache ist, und es ist nicht tadelnswert, ihn (auch) als wirksame Ursache zu nehmen. Kapitel IX Genaue Bezeichnungen für den heiligen Geist, die sich aus der schriftgemässen Lehre ergeben. 22. Wie wir schon die Art der für den heiligen Geist gebräuchlichen Bezeichnungen erörtert haben, die allgemein üblich sind, fügen wir nun die Bezeichnungen an, die aus den Schriften zu ziehen sind und die aus der ungeschriebenen Überlieferung der Väter kommen. Zuerst nun wird der, der die Bezeichnungen für den heiligen Geist hört, in seiner Seele auch das Augenmerk auf die höhere Natur richten. Denn “Geist Gottes” wird er genannt, und “Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht” (Joh. 15, 26), “gewisser Geist” (Ps. 50, 13 LXX), “williger Geist” (Ps. 50, 14 LXX), “heiliger Geist! (Ps. 50, 13 LXX), dies sind Anreden, die ihn genau bezeichnen. Besser als alle anderen Bezeichnungen sind dies die Benennungen für Körperloses, gänzlich Immaterielles und Einzigartiges. Deshalb lehrt auch der Herr denjenigen, der meint, Gott sei an einem Ort anzubeten, dass das Körperlose nicht an Grenzen gebunden ist. Er sagt: “Gott ist Geist” (Joh. 4, 24). Wenn man also hört: “Geist”, kann man sich weder eine umschriebene Natur vorstellen noch Ort und Veränderungen voraussetzen oder etwas der Schöpfung ganz Ähnliches; sondern, da man sich nach höherer Erkenntnis ausstreckt, muss man notwendig ein intelligentes Sein voraussetzen, das unbegrenzt ist an Kraft und Grösse, ohne Zeit und Äonen, überfliessend von Gutem. Zu ihm wendet sich alles, was Heiligung braucht, alles tugendhafte Leben streckt sich ihm entgegen, um benetzt zu werden durch seine Anhauchung und seinen Beistand, da alles Lebende ein natürliches Ende hat. Ihm fehlt nichts, er macht andere vollkommen. Er muss niemals sein Lebendigsein erneuern, sondern er regiert das Leben. Bei ihm ist kein fortschreitendes Wachstum, sondern er ist stets Fülle, ist in sich selbst gegründet und allgegenwärtig. Ursprung der Heiligung, Licht der Erkenntnis, in aller Kraft vernünftig, erlässt uns die Wahrheit finden, die er durch sich selbst offenbart. In seiner Natur unerreichbar, man kann sich ihm nahen durch Wohltaten. Alles erfüllend durch Kraft ist er bei denen, die würdig sind; nicht nach irgendeiner Massgabe, sondern je nach dem Glauben verteilt er sein Wirken. Einmaliges Sein, vielfältige Kraft, ganz in jedem Einzelnen, ganz allgegenwärtig. Er ist vollständig und teilt aus: wie ein Sonnenstrahl, dessen Güte auf die Erde und das Meer strahlt und sich mit der Luft vermischt, bei dem ist, der den Strahl aufnimmt, als wäre er für sich allein. So kommt auch der Geist zu jedem, der geneigt ist, ihn zu empfangen, als wäre er für sich allein, indem er die Gnade ausreichend und völlig allen sendet. Er wird ihrer teilhaftig, wie es ihrer Natur entspricht, nicht nach seiner “Möglichkeit”. 23. Die Verbindung der Seele mit dem heiligen Geist besteht nicht in räumlicher Nähe - denn wie könnte man sich körperlich dem Körperlosen nähern? - aber die Trennung von den Lüsten, die die Seele - letztlich wegen der Liebe zum Fleisch - überfallen, entfremden sie von der Verbindung zu Gott. Die Annäherung an den Parakleten ereignet sich nur so, dass wir uns von der Schande reinigen, die wegen unserer Unzulänglichkeit besteht, dadurch, dass wir zum natürlich Schönen zurückkehren und allein durch das königliche Bild die ursprüngliche Gestalt wieder erhalten. Er wird dir, wie die Sonne von einem reinen Auge erblickt, durch sein Strahlen das Bild des Unsichtbaren zeigen. In der seligen Schau des Bildes wirst du das Unaussprechliche des Urbildes des Schönen sehen. So erheben sich die Herzen, die Schwachen werden geleitet, und die Sünder erlangen Vollkommenheit. Er, der in denen brennt, die von allem Makel gereinigt wurden, macht sie zu geistlichen Menschen durch die Gemeinschaft mit ihm. Und sie beginnen zu leuchten wie helle, durchscheinende Körper, in die Licht einfällt, und von ihnen geht ein Strahlen aus. So sind die Seelen, die den Geist tragen, durch den Geist erleuchtet. Sie sind erfüllte, geistliche Menschen und überbringen anderen die Gnade. Von daher kommt das Wissen um das Kommende, Einsicht in Geheimnisse, das Erfassen des Verborgenen, die Austeilung geistlicher Gaben, Bürgerrecht im Himmel, der Chortanz mit den Engeln, die ewige Freude, das Bleibe in Gott, das Gott Ähnlichwerden, das höchste Streben göttlich werden. Von den Lehren über den Geist haben wir diese seine Eigenheiten angezeigt: seine Größe, seine Würde und seine Wirkungen, um nur einige seiner vielen Eigenheiten zu nennen. Wir müssen nun zu denen kommen, die uns widersprechen und uns Gegenreden aus der “fälschlich so genannten Gnosis” (1. Tim. 6, 20) entgegenbringen. Kapitel X Entgegnung an die, die sagen, der heilige Geist gehöre nicht auf die selbe Ebene wie Vater und Sohn. 24. Sie sagen: Der heilige Geist muss nicht mit Vater und Sohn gleichgestellt werden, da er eine andere Natur und eine niedrigere Würde hat. Darauf ist geradewegs mit dem Wort der Apostel zu antworten: “Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen” (Apg. 5, 29). Und der Herr verordnet seinen Jüngern in der Überlieferung, alle Völker zu taufen “im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes” (Matth. 28, 19), damit sie nicht seine Gemeinschaft mit dem Vater herabwürdigen. Die anderen wollen ihn aber nicht mit Vater und Sohn gleichgestellt sehen. Wie können sie sich so offensichtlich dem Auftrag Gottes widersetzen? Wenn sie nun sagen: Eine solche Gleichstellung und Verbindung gibt es offensichtlich nicht, dann beinhaltet diese Aussage doch, dass an der Angelegenheit etwas dran ist. Wie wollen sie überhaupt eine Verbindung verstehen? Jedenfalls, wenn der Herr in der Taufe den Geist nicht zusammenstellt mit dem Vater und sich selbst, dann können sie von uns also auch nicht die Verbindung (des Geistes mit Vater und Sohn) einfordern. Zumal wir nichts anderes meinen und ausdrücken. Wenn der Geist aber dort mit dem Vater und dem Sohn zusammengehört, und wenn niemand es wagt, das Gegenteil zu behaupten, dann können sie uns auch nicht “vorwerfen”, dass wir der Schrift folgen. 25. Sie bereiten einen Kampf gegen uns vor und richten alle “Erkenntnis” gegen uns, die Gott lästernden Zungen schleudern ihr Gift heftiger heraus als die, die Christus töteten, Steine gegen Stephanus warfen. Sie können es nicht verbergen: Der Vorwand für den Kampf sind wir. Aber es ist alles weitreichender als es zunächst scheint. Die Macheten und die Posten im Hinterhalt sind auf uns gerichtet und vorbereitet, sie ordnen an, dass wir gegeneinander so aufeinander losschlagen, wie jeder Erfahrung oder Kraft hat. Tatsächlich wird der Glaube bekämpft, und das gemeinsame Ziel aller Kämpfenden und Feinde der gesunden Lehre ist: Die Grundlage des Glaubens an Christus wird erschüttert, indem die apostolische Überlieferung entstellt wird, dem Erdboden gleichgemacht. Deshalb, wie Schuldner sich gegenseitig gutgläubig vertrauen, führen sie Beweise aus dem Geschriebenen an, weisen aber das ungeschriebene Zeugnis der Väter zurück, als wäre es nichts wert. Wir aber mindern die Wahrheit nicht herab, auch werden wir nicht furchtsam unser Bündnis mit der Wahrheit preisgeben. Denn der Herr übergibt uns die Heilslehre so, dass der heilige Geist notwendig mit dem Vater zusammen gehört. Aber die, denen es nicht so zu sein scheint, unterscheiden den Geist vom Vater und trennen ihn von ihm, versetzen ihn sogar in eine Dienststellung. Also: Führen sie ihre eigene Blasphemie nicht entschiedener durch als eine Herrensatzung? Wohlan denn, kämpfend mit aller Siegeslust, untersuchen wir es nun miteinander ganz genau mit allem, was wir zur Hand haben. 26. Wodurch sind wir Christen? Durch den Glauben, dem würde jeder zustimmen. Aber auf welche Art sind wir gerettet? Offensichtlich sind wir von oben her Geborene durch die Gnade, die wir in der Taufe empfangen. Wodurch sonst noch? Nachdem wir die Errettung durch den Vater, den Sohn und den heiligen Geist erkannt haben, die wir in “Gestalt der Lehre” (Röm. 6, 17) empfangen haben, sollten wir sie hinter uns lassen? Es wäre in hohem Masse beklagenswert, wenn wir jetzt von unserer Rettung weiter entfernt wären als damals, als wir zum Glauben kamen (Aorist), indem wir das, was uns damals gelehrt wurde, jetzt verleugneten. Das selbe Versäumnis tritt ein, wenn jemand ohne Taufe dahingeht (= stirbt) oder von der Taufe nur einen Teil des Überlieferten empfangen hat. Wir legten das Bekenntnis ab, als wir zum Glauben kamen, als wir uns von den Bildern abwandten zu dem lebendigen Gott. Wer nicht jeden Augenblick wachsam ist und in ihm nicht lebenslang einen sicheren Hort hat, findet sich selbst als Fremdling vor Gottes Verheissungen, mit seiner eigenen Handschrift kämpft der gegen Gottes Verheissungen, der das Bekenntnis des Glaubens beiseite legt. Denn da die Taufe mir zum Beginn meines Lebens gereicht, und da jener der erste Tag meiner Wiedergeburt ist, dann ist es offenbar, dass auch das Wort sehr köstlich ist, das die Gnade der Sohnschaft ausdrückt. Die Überlieferung, die mich zum Licht brachte, mir die Gnade der Erkenntnis Gottes gab, durch die ich auch die Annahme an Sohnesstatt empfing, der ich noch ein Feind der Gnade und in Sünden bin, sollte diese Gnade verraten werden aufgrund der verdrehten Scheingründe dieser Leute? Nein, ich dagegen flehe, dass ich mit diesem Bekenntnis dahingehe (= sterbe) zum Herrn, und den anderen rede ich zu, den Glauben unangefochten zu bewahren auf den Tag Christi und den Geist nicht vom Vater und vom Sohn abzusetzen (zu trennen), den Glauben im Bekenntnis der Tauflehre zu bewahren und indem sie Gott die Ehre darbringen. Kapitel XI Die den Geist verleugnen, sind Frevler. 27. Wem gilt das Wehe? Für wen die Trübsal? Wer hat keinen Weg in der Finsternis? Wem die ewige Verdammnis? Wem, wenn nicht den Frevlern? Welches ist der Beweis für die Verleugnung? Haben sie nicht ihr eigenes Bekenntnis durchlöchert? Was haben sie bekannt, und wann? An Vater, Sohn und heiligen Geist zu glauben, dass sie dem Teufel entsagen und seinen Engeln, jene Rettung haben sie mit Worten ausgesprochen. Wie ist es nun zu nennen, dem die Kinder der Finsternis anheim fallen? Werden sie nicht Frevler genannt, da sie bundesbrüchig wurden gegen den Bund, der zu ihrer Rettung dient? Was sage ich nun vom Leugner, was von dem, der Christus verleugnet? Was anderes als: Frevler! Und mit welcher Bezeichnung willst du, dass ich den belege, der den Geist leugnet? Nicht mit derselben Bezeichnung, mit der ich den belege, der den Bund mit Gott übertritt? Nun denn, da das Bekenntnis des Glaubens an ihn die Glückseligkeit der Frömmigkeit bringt und das Verleugnen zur Verdammnis der Gottlosigkeit führt, wie wäre es nicht furchtbar, sie nun das Bekenntnis ausser Kraft setzen zu sehen, sie, die weder Feuer noch Schwert, weder Kreuz noch Marterpfahl, weder Züchtigung noch Folter noch Pein fürchten? Diese Pneumatomachen (Geistbekämpfer) sind durch ausgeklügelte Gedankengänge und Scheinerkenntnisse getäuscht, das ist alles. Jedem, der Christus bekennt, aber Gott leugnet, bestätige ich, dass Christus ihm nichts nützen wird. Und dem, der Gott anruft, aber Christus verwirft, dem bestätige ich, dass sein Glaube nichtig ist. Und den, der den Geist schmäht, wird der Glaube an Vater und Sohn ins Leere führen. Man kann den Glauben nicht haben, wenn der Geist nicht dabei ist! Wer an den Geist nicht glaubt, glaubt auch nicht an den Sohn. Wer an den Sohn nicht glaubt, glaubt auch nicht an den Vater. “Niemand kann Jesus einen Herrn nennen, ausser durch den heiligen Geist” (1. Kor. 12, 3). Und “Niemand hat Gott jemals gesehen; der einziggeborene Sohn, der im Schosse des Vaters ist, der hat Kunde gebracht” (Joh. 1, 18). Ein Frevler ist der wahren Anbetung nicht teilhaftig, denn er kann weder den Sohn anbeten, es sei denn im heiligen Geist, noch kann er den Vater anbeten, es sei denn im Geist, der uns die Sohnschaft gibt. Kapitel XII Ein Wort an die, die behaupten, die Taufe allein auf den Herrn reiche aus. 28. Niemand lasse unbeachtet, dass der Apostel bei der Erwähnung der Taufe häufig nur den Namen des Vaters und des Sohnes nennt. Man glaube daraufhin nicht, dass man die Anrufung aller drei Namen (Vater, Sohn und heiliger Geist) ausser Acht lassen könne. Er sagt: “Die auf Christus getauft sind, haben Christus angezogen” (Gal. 3, 27). Und wiederum: “Die in Christus getauft sind, sind in seinen Tod getauft” (Röm. 6, 3). Das Anrufen Christi ist das Bekennen von diesem allen: Es offenbart den salbenden Gott und den gesalbten Sohn und die Salbung, den Geist, wie Petrus in der Apostelgeschichte sagt: “Jesus von Nazareth, den Gott mit heiligem Geist gesalbt hat” (Apg. 10, 38). Und bei Jesaja heisst es: “Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat” (Jes. 61, 1). Und der Psalmist sagt: “Darin hat dich der Herr, dein Gott, mit Freudenöl gesalbt” (Ps. 44, 8). Manchmal jedoch nennt der Apostel nur den Geist im Blick auf die Taufe. Er sagt: “Wir wurden alle in einem Geist in einen Leib getauft” (1. Kor. 12, 13). Auch heisst es hierzu: “Ihr werdet im heiligen Geist getauft werden” (Apg. 1,5). Und: “Er wird euch im heiligen Geist taufen” (Luk. 3, 16). Aber deshalb würde niemand gänzlich sagen, dass es eine Taufe geben könnte, bei der nur der heilige Geist angerufen werden könnte. Denn die Überlieferung muss immer unangetastet bleiben, sie wurde in lebenspendender Gnade empfangen. Der unser Leben aus dem Verderben erlöst hat, hat uns eine Kraft der Erneuerung gegeben, die einen unsagbaren Grund hat und verborgen ist im Mysterium, sie bringt den Seelen wunderbare Rettung. So dass, ob etwas hinzugetan oder weggelassen wird, es bedeutet unzweifelhaft das Herausfallen aus dem ewigen Leben. Wenn nun die Trennung des Geistes vom Vater und vom Sohn in der Taufe gefahrvoll ist für den Taufenden und verderblich für den Getauften, wie wäre es da gefahrlos, den Geist vom Vater und vom Sohn zu trennen? Glaube und Taufe sind zwei Modi der Rettung, miteinander verbunden und voneinander nicht zu trennen! Denn wie der Glaube vollendet wird durch die Taufe, so ist die Taufe das Fundament des Glaubens, und ein Modus wird durch den anderen vollendet: Wie wir an den Vater und den Sohn und den heiligen Geist glauben, so werden wir auch getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Das Bekenntnis führt zuerst zur Rettung, dann folgt die Taufe, die uns zur Besiegelung dient. Kapitel XIII Ich ziehe hinzu, warum Paulus die Engel mit Vater und Sohn zusammen nennt. 29. Unsere Gegner sagen, auch andere Wesen werden zum Vater und zum Sohn gezählt, werden aber dennoch nicht mit ihnen zusammen gepriesen. Wie zum Beispiel Paulus Engel mit dazu nennt, im Zeugnis an Timotheus sagt er: “Ich bezeuge vor Gott und Jesus Christus und den auserwählten Engeln” (1. Tim. 5, 21). Wir nehmen die Engel nicht als der Schöpfung fremde Wesen, unterstützen auch nicht, sie zu Vater und Sohn zu zählen. Wenn ich auch das Reden unserer Gegner keiner Antwort für würdig halte, da die Sinnlosigkeit ihres Redens auf der Hand liegt, sage ich gleichwohl dies: Man könnte, um vor einem milden und sanften Richter etwas zu beweisen, ein dienstbares Wesen neben sich stellen, der Richter bewiese Milde und in seinen Entscheidungen gegenüber den zu Verurteilenden duldete er keinen Widerspruch. Aber wenn man frei, vom Knecht zum Sohn Gottes berufen ist und vom Tode zum Leben gebracht, dann kann das von keinem anderen kommen als von dem, der in Gemeinschaft mit göttlicher Natur ist, nicht in knechtischem Stand! Und wie könnte der in Gemeinschaft mit Gott kommen, der anderer Art ist? So ist der Geist nicht mit den Engeln gleich genannt, sondern: der Geist als Herr des Lebens, die Engel werden als hilfreiche Mitdiener und treue Zeugen der Wahrheit daneben vorgefunden. Es ist Sitte, dass den Heiligen die Anordnungen Gottes vor Zeugen gegeben werden. So schreibt Paulus auch an Timotheus: “Was du von mir gehört hast im Beisein vieler Zeugen, das vertraue treuen Menschen an” (2. Tim. 2, 2). Da zieht er die Engel als Zeugen hinzu. Er weiss, dass die Engel beim Weltenrichter sein werden, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters, um den Erdkreis zu richten in Gerechtigkeit. Der sagt: “Wer immer sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes” (Luk. 12, 8+9). Und Paulus schreibt an anderer Stelle von der “Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel mit Engeln” (2. Thess. 1, 7). Deshalb, schon hinieden, bezeugt er vor den Engeln, dass er sich treffliche Beweise verschafft zum grossen Gerichtstag. Kapitel XIII Ich ziehe hinzu, warum Paulus die Engel mit Vater und Sohn zusammenstellt. 30. Und nicht nur dies, sondern alle, denen Dienst am Wort anvertraut ist, können zu keiner Zeit ihr Zeugnis beenden, selbst wenn sie den Himmel und die Erde zu Hilfe rufen, denn alle Werke werden in ihnen vollendet, und bei Prüfung der Lebenswerke stehen sie bei denen, die ein Urteil empfangen. Der Psalmist spricht: “Er ruft dem Himmel droben zu und der Erde, um sein Volk zu richten” (Ps. 49, 4 LXX). Deshalb hat Mose auch dem Volk, als er es lehrte, gesagt: “Ich rufe heute Himmel und Erde zu Zeugen an” (Dtn. 4, 26). Und wiederum sagt er in seinem Loblied: “Merket auf, ihr Himmel, denn ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes” (Dtn. 32, 1). Und Jesaja schreibt: “Höre, Himmel, horche auf, Erde!” (Jes. 1, 2). Jeremia spricht vom Entsetzen des Himmels über die Freveltaten des Volkes: “Erstarret darob, ihr Himmel, denn mein Volk hat gefrevelt” (Jer. 2, 12-13). Auch der Apostel, der die Engel ansieht als den Menschen gegebene Lehrmeister und Erzieher, ruft sie als Zeugen an. Und Josua, der Sohn Nuns, hat sogar einen Stein als Zeugen aufgestellt - Jakob hatte auch schon ein Stück Stein als Zeugen bezeichnet (Gen. 31, 47) -: Er sagte: “Dieser Stein soll Zeuge gegen uns sein auf den letzten Tag, jedes Mal, wenn ihr lügt gegen den Herrn, euren Gott” (Jos. 24, 27 LXX). Er dachte wohl, durch Gottes Kraft könnten die Steine reden, und zwar als Beweis gegenüber den Übertretern. Zumindest sollte die Einsicht des Volkes durch die Wirkung der Erinnerung gänzlich (wie ein Stein in den Boden) eingeschlagen werden. Alle Zeugen nun, wer auch immer sie sind, die ein Amt für gläubige Seelen empfangen haben, bereiten ihr Amt zuerst vor, um es später auszuführen. Aber der Geist braucht keine spezielle Gelegenheit, sondern durch die Gemeinschaft der Naturen steht er bei Gott, nicht durch uns gezogen, sondern durch den Herrn gegeben. Kapitel XIV Ich reagiere auf den Einwand (meiner Gegner), dass auch Menschen auf Mose getauft wurden und an ihn glaubten. Es geht auch um Urbilder (oder: vorgeprägte Abbilder). 31. Unsere Gegner sagen, wenn man im Geist getauft wird, reicht das dafür nicht aus, dass der Geist mit Gott auf eine Stufe gestellt wird. Denn es heisst ja, dass “alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer” (1. Mose 10,2). Also könnte man meinen, dass es auch Glauben an Menschen gibt. “Das Volk glaubte an den Herrn und an seinen Knecht Mose” (2. Mose 14, 31c). Und warum nun, fragt man, solltest du wegen des Glaubens und wegen der Taufe den heiligen Geist höher setzen und rühmen als die Schöpfung, da doch in der Schrift eben Gesagtes den Menschen von alters her bezeugt wird? Was wollen wir nun sagen? Der Glaube an den Geist ist derselbe wie der Glaube an den Vater und den Sohn. So auch die Taufe. Die Taufe auf Mose und die Wolke ist wie ein Schattenriss und Urbild. Allerdings ist die Natur des Göttlichen nicht deshalb klein, weil sie durch Kleines und Menschliches vorgestaltet wurde. Die Natur des Göttlichen wurde häufig durch Urbilder in schattenrissartiger Vorausabbildung verkündigt. Durch Erinnerung erkennt man, dass das Urbild die zuvor erschienen Offenbarung ist, die das Kommende zuvor erscheinen lässt. So ist Adam das Urbild (Typos) des Kommenden (Jesus), und der Fels bildet Christus im Voraus ab (s. 1. Kor. 10,4). Das Wasser aus dem Felsen bildete im Voraus die Kraft des lebendigen Wortes ab. “Wenn jemand dürstet, komme er zu mir und trinke” (Joh. 7, 37). Das Manna war das Urbild des vom Himmel herab gekommenen lebendigen Brotes. Die zum Zeichen aufgerichtete Schlange (4. Mose 21, 6-99) bildete das Leiden des Herrn ab, das zu unserem Heil dient und am Kreuz des Herrn vollendet wurde. Die auf ihn blickten, wurden errettet. So wurde also auch der Bericht über den Exodus Israels als Hinweis darauf überliefert, dass wir durch die Taufe errettet werden. Die Erstgeborenen von den Israeliten wurden gerettet wie auch die Körper der Getauften, die Gnade wurde denen gegeben, die unter dem Zeichen des Blutes waren. Denn das Blut des Lammes ist das vorgeprägte Abbild des Blutes Christi. Und die Erstgeborenen sind das vorgeprägte Abbild des Erstgeborenen (Christus), der uns auf jeden Fall durch die Nachfolge bis zum Ziel geleitet. Deshalb: Wie in Adam alle sterben, - und der Tod herrschte, bis das Gesetz erfüllt wurde und bis zur Ankunft Christi -, so werden die Erstgeborenen von Gott behütet, dass der Verderber sie nicht anrühre; dadurch wird uns verkündigt, dass wir nicht mehr in Adam sterben, wir, die wir in Christus lebendig gemacht wurden. Das Meer und die Wolke führen uns durch gegenwärtige Bestürzung zum Glauben. Für die Zukunft sind sie Vorzeichen der zukünftigen Gnade. “Wer ist verständig, dies zu verstehen?” (Ps. 106. 43 LXX). Ich beziehe das auf die Darstellung von der Taufe im Meer, es schnitt dem Pharao den Weg ab und das andere Bad (die christliche Taufe) trennt uns von der Tyrannei des Teufels. Die Taufe tötet den Feind. So stirbt unsere Feindschaft gegenüber Gott. Die Menschen gehen aus der Taufe verschont hervor. Wir stehen aus dem Wasser auf wie Lebende, die von den Toten auferstanden sind, durch die Gnade dessen erlöst, der uns gerufen hat. Die Wolke ist der Schattenriss der Gabe, die der heilige Geist gibt, der die Glut der Leiden erkalten lässt durch das Sterben unserer Glieder. 32. Was nun? Ist denn die durch die Taufe kommende Gnade klein, weil wir urbildlich ein Auf-Mose-Getauftsein postulieren? Wir können nichts Grösseres haben als unsere Taufe, selbst wenn wir aufgrund aller ehrwürdigen Voraus-Abbildungen Grösseres erwarten möchten. Auch wäre in diesem Fall die Liebe Gottes zu den Menschen nicht gross und übernatürlich, obgleich er den Einziggeborenen für unsere Sünden gegeben hat. Auch Abraham hat seinen Sohn nicht verschont. Das Leiden des Herrn wäre nicht zu preisen, da ja ein Lamm an Isaaks Stelle das Urbild des Opfers wäre. Das Hinabsteigen in den Tod wäre nicht zu fürchten, da ja Jona drei Tage und Nächte das Urbild des Todes im Voraus erfüllte. Dasselbe ereignet sich, wenn man aufgrund des Schattenrisses über die Taufe urteilt durch die vorgeprägten Abbilder und diese vergleicht mit deren Bedeutung, und wenn man versucht, aus Mose und dem Meer die evangeliumsgemässe Heilsordnung abzuleiten. Denn wie wurde der Abfall vergeben, welcher Art war das erneuerte Leben im Meer? Welcher Art ist die geistliche Gabe durch Mose? Wie starben dabei die Sünden? Jene waren nicht der Leiden Christi teilhaftig. Deshalb sind sie nicht mit Christus auferstanden. Sie trugen nicht das Bild des Himmlischen (siehe 1. Kor. 15, 49) noch das Sterben Jesu an ihren Leibern. Sie zogen nicht den neuen Menschen an, sie trugen nicht den Neuen (Christus), der sich gemäss dem Bilde des Schöpfers in der Erkenntnis selbst erneuert. Warum also sollten wir die Taufen (1. die auf Mose; 2. die auf den dreieinigen Gott) vergleichen? Nur ihre Benennung ist eine gemeinsame, ihre jeweilige Tragweite ist aber so unterschiedlich wie Traum und Wirklichkeit sich unterscheiden, und wie Schatten und Bild einerseits und die Realität andererseits auseinanderfallen! 33. Dass in der Schrift vom Glauben an Mose geschrieben steht, bedeutet nicht, dass der Glaube an den Geist weniger Wert hätte! Aber nach dem, was manche sagen, setzt der Glaube an Mose das Bekenntnis an den Gott des Universums herab. Denn es heisst: “Das Volk glaubte an den Herrn und an seinen Knecht Mose” (2. Mose 14, 31). Mose befand sich in Verbindung mit Gott, nicht mit dem heiligen Geist. Er war nicht das vorgeprägte Abbild des Geistes, sondern des Christus. Durch seine Person war er die Vorausabbildung eines Mittlers zwischen Gott und den Menschen, und zwar durch die Gerechtigkeit des Gesetzes (Genitivus objectivus: die Gerechtigkeit, die durch die Erfüllung des Gesetzes kam. Anm. der Übersetzerin). Mose war also nicht das Urbild des Geistes, sondern vermittelte Gott dem Volk durch das Gesetz. Denn das Gesetz “wurde angeordnet durch Engel mit Hilfe eines Mittlers” (Gal. 3, 19) - offensichtlich Mose -, so lautet die Bitte des Volkes: “Rede du mit uns, so wollen wir zuhören. Aber Gott soll nicht mit uns reden!” (2. Mose 20, 19). Der Glaube an Mose bezog sich auf den Herrn, den Mittler zwischen Gott und den Menschen, der sagt: “Wenn ihr Mose glaubtet, würdet ihr mir glauben” (Joh. 5, 46). Sollte der Glaube an den Herrn nun klein sein, da er durch Mose vorausangezeigt wurde? Auch ist die Gnade, die der Geist mit der Taufe gibt, nicht klein, weil damals auf Mose getauft wurde. Ich muss also unbedingt betonen, dass in der Schrift die Formulierung üblich ist “Mose und das Gesetz”, zum Beispiel: “Sie haben Mose und die Propheten” (Luk. 16, 29). In der Schrift geht es also um eine gesetzesgemäße Taufe, wenn es heisst: “Sie wurden alle auf Mose getauft in der Wolke und um Meer” (1. Kor. 10, 2). Warum nun verrät man unsere Hoffnung und die reichhaltige Gabe, die unser Gott und Erlöser uns gibt, die uns durch die Wiedergeburt zu neuem Leben auferstehen lässt wie die Jugend eines Adlers? Warum schätzt man die Wahrheit in den Schattenrissen und den Urbildern gering? Das grosse Geheimnis unserer Rettung zu ignorieren ist doch ganz einfältig und die Verhaltensweise eines Kindes, das Milch braucht. Wir werden so gelehrt, dass wir durch praktizierte Frömmigkeit zur Vollkommenheit gelangen, indem wir zuerst die verhältnismässig einfachsten Schritte gehen, wie es uns bewusst ist. Der Herr, der unser Leben leitet, führt uns, wie man die Augen in der Finsternis darauf richtet, Schritt für Schritt zu dem grossen Licht der Wahrheit zu gelangen. Mit Rücksicht auf unsere Schwachheit bietet er uns - in der Tiefe seiner Weisheitsfülle und durch seinen unergründlichen, verständigen Ratschluss begründet - dieses freundliche und rechte Geleit: Zuerst sehen wir die Körper schemenhaft, im Wasser (wie in einem Spiegelbild) erahnen wir die Sonne, so dass wir nicht sogleich durch das Schauen des reinen Lichtes geblendet werden. “Das Gesetz enthält nur einen Schatten der zukünftigen Güter” (Hebr. 10, 1). Und die Worte, die die Propheten früher sprachen, - sie sind Andeutungen der Wahrheit -, sind als Übung für die Augen unserer Herzen zu verstehen, damit der Weg zu der im Geheimen verborgenen Weisheit uns leicht erscheint. Genug über diese Urbilder. Es ist nicht möglich, sich noch mehr damit zu beschäftigen, ohne dass dieses Einschiebsel grösser würde als das Wesentliche. Kapitel XV Entgegnung gegen den argwöhnischen Vorwurf, wir werden auch im Wasser getauft. Es muss auch über die Taufe geredet werden. 34. Was sagt man noch zu solchen Leuten? Sie haben nämlich viele Ausflüchte, und sie sagen: Im Wasser werden wir getauft, und man erweist dem Wasser auf keinen Fall gleiche Ehre wie allem anderen Erschaffenen oder wie wir sie dem Vater und dem Sohn entgegenbringen. Solcherlei Worte, die sie äussern, können nur von erregten Leuten stammen, denen, weil sie verfinstert sind durch ihre leidenschaftlichen Reden, immer noch etwas einfällt gegenüber der Abwehr derer, die sie “plagten”. Wir aber zaudern nicht, darüber zu reden, denn wir werden sowohl die Erkenntnislosen lehren als auch den Niederträchtigen etwas entgegen halten. Blicken wir ein wenig zurück. 35. Der Heilsplan unseres Gottes und Erlösers für die Menschen besteht darin, dass er uns zurückruft aus dem Abfall und uns zurückführt in Gemeinschaft mit Gott, weg von dem Verlust, der durch Ungehorsam entstand. Deshalb war Christus im Fleisch; und die Beispiele, die die Evangelisten berichten; das Leiden; das Kreuz; das Begrabenwerden; die Auferstehung. So dass der Mensch, gerettet durch die Nachfolge Christi, jene ursprüngliche Sohnschaft zurück erhält. Zur Vollkommenheit des Lebens ist es notwendig, dass die Nachfolge Christi nicht nur im Leben durch die Kennzeichen der Sanftmut (Zornlosigkeit), der Demut und Geduld besteht, sondern auch selbst im Tod, wie Paulus, der Nachfolger Christi, sagt: “Ich werde seinem Tode gleichgestaltet, damit ich zur Auferstehung von den Toten gelange” (Phil. 3, 10f). Wie kommen wir zur Gleichheit seines Todes (Genitivus objectivus: Gleichheit mit seinem Tod. Anm. der Übersetzerin)? Indem wir uns durch die Taufe mit ihm begraben lassen. Wie sich begraben lassen? Welcher Nutzen entsteht aus der Nachfolge Christi? Zuerst muss man sich von der bisherigen Lebensführung ganz trennen. Dies ist unmöglich, wenn man nicht “von oben her geboren wird” (Joh. 3, 3), gemäss dem Wort des Herrn. Denn die Wiedergeburt, wie das Wort schon klarmacht, ist der Anfang eines anderen Lebens. Da aber ein anderes Leben begonnen wird, muss das vorige beendet sein. So wie für die, die im Doppelstadion umkehren, Pause und Ausruhen vom Laufen abgesetzt werden. So werden die zwei Leben gegeneinander abgesetzt und es ereignet sich ein Tausch: Der Tod tritt mitten zwischen die beiden Leben, das vorhergehende beendet er, dem folgenden setzt er einen Anfang. Wie kann nun das Hinabsteigen in den Tod gut vonstatten gehen? Indem wir dem Begrabenwerden Christi durch die Taufe nachfolgen. So ereignet es sich, wenn die Körper der Täuflinge im Wasser begraben werden. Die Taufe stellt also symbolisch das Ablegen der Werke des Fleisches dar, gemäss den Worten des Apostels: “In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, durch das Ausziehen des Fleischesleibes in der Beschneidung Christi, indem ihr mit ihm begraben worden seid in der Taufe” (Kol. 2, 11f). Und so ist nun die Seele gereinigt von der Befleckung, die sie durch die Gesinnung der Fleischeswerke hatte, wie geschrieben steht: “Wasche mich, dass ich weisser werde als Schnee” (Ps. 50, 9 LXX). Deshalb werden wir nicht - wie nach jüdischem Verständnis - von jeder einzelnen Befleckung erlöst, sondern wir kennen nur eine rettende Taufe: Da ja ein Tod geschehen ist für die Welt und eine Auferstehung von den Toten, diese beiden stellt die Taufe dar. So hat der Herr, der Erlöser unseres Lebens, einen Bund durch unsere Taufe gestiftet, der die Darstellung des Todes und des Lebens enthält. Das Wasser stellt den Tod dar, das Unterpfand des Lebens erhalten wir durch den Geist. Daher wird uns nun gewiss, was wir suchten: Weshalb das Wasser mit dem Geist verbunden ist. Es sind zwei Ziele in der Taufe enthalten: den Körper von Sünde zu reinigen, damit er keine Früchte zum Tode mehr hervorbringt, und das Leben durch den Geist, damit es Frucht hat in der Heiligung. Das Wasser beinhaltet die Darstellung des Todes, indem es den Körper wie in einem Grab aufnimmt. Der Geist aber gibt lebenschaffende Kraft, indem er unsere Seelen aus dem früheren Leben, in dem wir durch Sünde tot waren, heraushole beziehungsweise erneuert. das ist nun das “Von-oben-her-Geborenwerden” aus Wasser und Geist, indem man den Tod im Wasser findet. Unser Leben aber wird gewirkt durch den Geist. Durch dreimaliges Untertauchen und ebenso viele Anrufungen des Herrn wird nun das Geheimnis der Taufe vollendet, damit auch die Abbildung des Todes dargestellt wird und durch die Gabe der Gotteserkenntnis die Seelen der Getauften erleuchtet werden. So dass, wenn im Wasser Gnade ist, sie nicht aus der Natur des Wassers kommt, sondern aus der Gegenwart des Geistes. Denn die Taufe ist “nicht ein Abtun der Unsauberkeiten des Fleisches, sondern eine Bitte an Gott um ein gutes Gewissen” (1. Petr. 3, 21). Der Herr rüstet uns nun zu, und zwar zum Leben aus der Auferstehung, wenn er uns die ganze Evangelienüberlieferung darlegt und uns mahnt zur Sanftmut (Zornlosigkeit), zur Geduld, zum Freisein von Vergnügungssucht und zur Geizlosigkeit. Wie dieser Äon natürlich geschaffen ist, so wird uns, da wir die genannten Tugenden schon haben, aufgrund freien Entschlusses alles gut vonstatten gehen. Wenn nun jemand das Evangelium als Vorausgestaltung des Lebens aus der Auferstehung bezeichnen wollte, so scheint mir, er würde sich nicht irren. Kehren wir nun zu unserem Anliegen zurück. 36. Durch den heiligen Geist geschieht die Wiederbringung ins Paradies, das Hinanpilgern ins Reich der Himmel, die Rückkehr in die Sohnschaft, Freimut, Gott den Vater anzurufen, der Gnade Christi teilhaftig zu werden, ein Kind des Lichts zu heissen, der unsichtbaren Herrlichkeit teilhaftig zu sein, alles in allem: mit allem Segen überschüttet zu werden in diesem Äon und dem zukünftigen, indem wir die Gnade auskosten, die in den Reichtümern der Verheissungen liegt und durch die wir schon jetzt den Lohn standhaft im Glauben erwarten. Und wenn das Unterpfand so grossartig ist, wie gross wird erst die Vollendung sein? Wenn der Anbeginn so reich ist, wie wird die Fülle sein? Auch gilt: Wenn vom heiligen Geist die Gnade zum Taufwasser kommt, ist der Unterschied deutlich, dass Johannes mit Wasser getauft hat, aber unser Herr Jesus Christus im heiligen Geist. Johannes der Täufer sagt: “Ich taufe euch mit Wasser zur Busse; der aber nach mit kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhe zu tragen. Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen” (Matth. 3, 11). Die Prüfung im Gericht wird hier “Taufe mit Feuer” genannt, demgemäss sagt der Apostel: “Eines jeden Werk wird im Feuer offenbart”, und “der Tag wird es kundmachen, weil er sich in Feuer offenbart” (1. Kor. 3, 11). Jetzt aber streiten einige von ihnen über die Frömmigkeit, wahrhaft kämpfen sie und nicht zum Schein, indem sie dem Tod für Christus widerstehen, auch brauchen sie nicht das Symbol des Wassers zur Rettung, lassen sich taufen in ihrem eigenen Blut. Ich sage dies nicht im Widerspruch zur Taufe mit Wasser, sondern um die Argumente derer zu minimieren, die sich gegen den Geist erheben, die das Unvereinbare vermischen und nebeneinander gleichstellen, was unvergleichbar ist. Kapitel XVI Innerhalb welcher Überlegungen auch immer: Der heilige Geist ist nicht von Vater und Sohn zu trennen. Es geht auch um intellektuelle Geschöpfe, um den Heilsplan für die Menschen und um das künftige Gericht. 37. Kehren wir nun zum Anfangsanliegen zurück und machen uns klar, inwiefern der heilige Geist in gar keiner Hinsicht von Vater und Sohn separiert werden darf oder von ihnen abgespalten gestellt werden darf. Da wo in Zungen geredet wurde, ermahnt Paulus die Korinther: “Wenn jedoch alle aus Eingebung reden, es kommt aber irgendein Ungläubiger oder Uneingeweihter herein, so wird er von allen überführt, von allen erforscht, das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht niedersinken und Gott anbeten und verkünden, dass in Wahrheit Gott in euch ist” (1. Kor. 14, 24+25). Wenn nun aus der Prophetie und gemäss der Geisterunterscheidung Gott durch Propheten erkennbar wird, unterscheiden diese über den Platz, den sie dem heiligen Geist geben. Nämlich, ob er zu Gott zu stellen ist oder es richtiger ist, ihn von dort wegzusetzen und zur Schöpfung zu stellen. Petrus entgegnet der Saphira: “Warum habt ihr beschlossen, den heiligen Geist zu versuchen?” (Apg. 5, 9), und “Ihr habt nicht Menschen belogen, sondern Gott” (Apg. 5, 4). Diese Stellen belegen, dass die Sünde gegen den Geist und gegen Gott dieselbe ist; so mögen wir gelehrt werden, zwischen Vater, Sohn und Geist in all ihren Wirkungen die enge Verbindung zwischen ihnen besteht. Wenn Gott die Unterscheidung der Gaben wirkt und der Herr die Unterscheidung der Dienste, ist der heilige Geist dabei, indem er den Dienst der Geistesgaben je nach der Würde des Einzelnen nach seinem Ermessen zuteilt. Paulus sagt: “Es gibt aber Verschiedenheiten in der Zuteilung von Gnadengaben, doch einen und denselben Geist; und es gibt Verschiedenheiten in der Zuteilung von Diensten, und einen und denselben Herrn; und es gibt Verschiedenheiten in der Zuteilung von Kraftwirkungen, doch einen und denselben Gott, der alles in allem wirkt” (1. Kor. 12, 4-6). Und: “Alles dies aber wirkt ein und derselbe Geist, der jedem für sich zuteilt, wie er will” (1. Kor. 12, 11). Obwohl der Apostel den Geist hier zuerst nennt, zweitens den Sohn und drittens Gott den Vater, wäre daraufhin nicht im Ganzen die Rangordnung umzukehren! Es ist wie bei uns Menschen: Wenn wir ein Geschenk erhalten, nehmen wir zuerst den Überbringer wahr, dann denken wir an den Absender, dann richten wir unsere Sinne auf die Quelle und den Urgrund der Geschenke. 38. Aus den Schöpfungswerken vom Anfang kannst du die Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist erfahren. Denn die reinen, intelligenten und überirdischen Kräfte sind heilig und werden heilig genannt, da die hineingegebene Gnade die Heiligung schafft. Es bleibt zwar verborgen, wie die Kräfte der Himmel entstanden, denn nicht nur durch Wahrnehmbares offenbart uns der Schöpfer die Entstehung der Welt und wie er sie plante. Du aber, indem du aus den sichtbaren Dingen auf die unsichtbaren schliessen kannst, verherrliche den Schöpfer, durch den das All entstand, ob Sichtbares oder Unsichtbares, ob Herrschaften oder Gewalten, ob Kräfte oder Throne oder Mächte oder wenn es noch andere vernünftige und unnennbare Naturen gibt. Gib mir aber durch dies alles Einsicht über die alles begründende Ursache von allem Geschaffenen: den Vater; über die schöpferische Ursache: den Sohn; über die vollendende Ursache: den Geist. Folglich existieren dienstbare Geister durch den Willen des Vaters, kommen durch Wirkungen des Sohnes ins Leben und werden durch die Gegenwart des Geistes vollendet. Die Vollendung der Engel, die Heiligung, ist auch das Bleiben in der Heiligung. Niemand bringe mich zu der Aussage, es gäbe drei Anfangs-Hypostasen oder gar zu der Aussage, das Wirken des Sohnes sei unvollendet! Der Ursprung der existierenden Wesen ist einer, er schafft durch den Sohn und vollendet im Geist. Weder der Vater, “der alles in allem wirkt” (1. Kor. 12, 6), wirkt unvollkommen, noch ist der Sohn mangelhaft in seiner Schöpfermacht, auch ist keine Unvollkommenheit beim Geist. Der Vater bedarf nicht des Sohnes, er schafft durch seinen eigenen Willen, gleichwohl will der durch den Sohn. Auch bedarf der Vater nicht der Mitwirkung des Sohnes, der seinerseits durch Gleichheit mit dem Vater wirkt, aber der Sohn will durch den Geist. “Durch das Wort des Herrn sind die Himmel gemacht, durch den Hauch seines Mundes ihr ganzes Heer” (Ps. 32, 6 LXX). Es geht nicht um ein luftartiges Wort, das etwas bezeichnet und durch ein Stimmorgan hervorgebracht wird; es geht auch nicht um Geist im Sinne eines Mundhauchs, aus atmender Funktion hervorgebracht. Sondern das Wort war am Anfang bei Gott, und es war Gott, und der Geist ist aus Gottes Mund, “der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht” (Joh. 15, 26). Man erkennt nun drei: den befehlenden Herrn, den schaffenden Logos, den stark machenden Geist. Was wäre aber Stärkung anderes als die Vollendung durch die Heiligung, und die als gewiss, unveränderlich und sicher gekennzeichnete Festigung, die im Guten sichtbar wird? Es gibt also keine Heiligung ohne Geist. Die Kräfte der Himmel sind nicht von Natur aus heilig, sind auch nicht ohne weiteres vom heiligen Geist zu unterscheiden. Da sie sich entsprechen bezüglich ihrer Hoheit, haben sie das Mass der Heiligung vom Geist. Wie das Brenneisen mit dem Feuer in Zusammenhag gebracht wird, obwohl Eisen und Feuer unterschiedlich sind, entsprechend steht es mit den Kräften der Himmel, denn ihr Wesen ist Lufthauch, vielleicht wie ein immaterielles Feuer, wie geschrieben steht: “Der die Winde zu seinen Boten bestellt und zu seinen Dienern Lohe und Feuer” (Ps. 103, 4 LXX). Deshalb sind sie an einem bestimmten Ort, werden sichtbar und erscheinen - in der Erscheinungsart ihrer eigenen Körper - denen, die dieser Erscheinung würdig sind. Die Heiligung, die gänzlich anderes Wesen hat (als die Menschen), bringt ihnen die Vollendung, indem sie die Menschen in Gemeinschaft mit dem Geist versetzt. Diese Kräfte bleiben erhaben, da sie im Guten verharren, im Vorzug ihrer eigenen Macht und fallen nie aus dem Thronen beim wahrhaft Guten. Wenn man tatsächlich den Geist wegdenkt, die Räume auflöst, die Ordnung der Erzengel verschwinden liesse, wird alles vernichtet, völlig gesetzlos, ungeordnet, ihr Leben undeterminiert. Wie könnten nun die Engel sprechen: “Ehre sein Gott in der Höhe” (Luk. 2, 14), wenn sie nicht von Gott mit Kraft ausgestattet worden wären? Böse und feindliche Geister könnten davon sprechen, woran ich mich annähere: davon, dass die unsichtbaren Kräfte eigene Vollmacht haben, so dass sie gleichermassen Tugend und Schlechtigkeit als Möglichkeit haben, deshalb brauchen sie die Unterstützung des Geistes. Wenn Gabriel die Zukunft voraussagte, sage ich dazu, dass er dies nicht anders vermochte als durch den heiligen Geist. Daher ist die Prophetie eine der Gaben, die der Geist zuteilt. Was aber den “Mann der Begierden” (Dan. 10, 11) betrifft, dem auferlegt war, die Mysterien aus der Vision zu verkündigen, woher hatte er die Weisheit, das Verborgene zu lehren, wenn nicht durch den heiligen Geist? Das Verborgene zu offenbaren kommt ganz allein dem Geist zu. Wie geschrieben steht: “Uns aber hat Gott offenbart durch den Geist” (1. Kor. 2, 10). Throne, Herrschaften, Gewalten und Mächte, wie haben sie seliges Leben, ohne stets das Angesicht des himmlischen Vaters zu sehen? Diesen Anblick erhalten sie einzig durch den Geist. Es ist wie in der Nacht, wenn man ein Licht im Haus nimmt, die Augen blind, die Kräfte regungslos, die Werte nicht erkennbar, und das Gold wäre wie das Eisen durch Unkenntnis festgetreten. So ist es auch beim intellektuellen Erkennen unmöglich, in einem gesetzesgemässen Leben zu verharren ohne den Geist, jedenfalls nicht mehr als eine Heerschar in der Schlachtordnung bleiben kann ohne Kommandeur und nicht mehr als ein Musikcorps ohne Dirigent Musik erklingen lässt. Wie sprechen die Seraphim: “Heilig, heilig, heilig” (Jes. 6, 3), wenn sie nicht durch den Geist gelehrt wurden, wievielmal der selige Lobpreis anzustimmen ist? Ob nun alle seine Engel Gott lobpreisen, ob ihn alle Kräfte loben, sie tun es durch die Mitwirkung des heiligen Geistes. Ob tausend mal tausende Engel bei ihm stehen, ob unzählig mal Unzählige ihm dienen, sie vollbringen das ihnen zugehörige Werk durch die Kraft des Geistes. All diese überhimmlische, unsagbare und aus überkosmischen Kräften bestehende Harmonie kann nur Bestand haben durch die Leitung des Geistes. Der heilige Geist ist also zwar nicht in dem, was fortschreitend vollendet wird in der Schöpfung, sondern in dem, was seit Erschaffung sogleich vollkommen war, damit er ihnen vollendete und vollkommene Gnade eingebe. Kapitel XVIII Wie wir beim Bekennen der drei Hypostasen (Verwirklichungsgestalten des Seins: Vater, Sohn, heiliger Geist) das fromme Dogma von der Monarchie bewahren, und worin der Beweis gegen die zu finden ist, die sagen, der Geist sei unterzuordnen. 44. Der Herr gibt uns den Vater, den Sohn und den heiligen Geist, ohne Zählung. Er stellt sie nicht als ersten, zweiten und dritten hin. Auch nicht als eins, zwei, drei. Aber der schenkt gnädig durch heilige Namen die Glaubenserkenntnis, dieser Glaube führt zur Rettung. Also ist es der Glaube, der uns rettet. Die Anzahl begreifen wir als Zeichen, das zum Erkennen der Quantität der Vorhandenen führt. Die sich aber selbst allenthalben Schaden zufügen, haben ja die Kraft des Zählens gegen den Glauben benutzt. Da aber nichts durch das Einrichten der Zählung geändert wird, beziehen sie das Zählen auf die Natur des Göttlichen, um nicht das Mass der dem Parakleten (heiligen Geist) gebührenden Würde zu übersteigern. Aber, ihr Allerweisesten, das Unerreichbare ist über dem Zählbaren! So wurde in der antiken hebräischen Frömmigkeit der unaussprechliche Name Gottes durch spezielle Zeichen offenbart, dadurch wurde die Erhabenheit Gottes dargestellt. Wenn also auch gezählt werden muss, dann darf auf keinen Fall der Wahrheit Abbruch getan werden. Es ist sowohl das Unaussprechliche schweigend zu verehren als auch das Heilige pietätvoll zu aufzuzählen. Ein Gott und Vater und ein einziggeborener Sohn und ein heiliger Geist. Wir nennen jede der Hypostasen einzeln. Wenn aber “zusammengezählt” werden müsste, dann auf keinen Fall so, dass wir in ungeschickter Aufzählung auf eine Vorstellung der Vielgötterei hinauskämen! 45. Es ist keine Aufzählung, wenn wir eine Zahlenreihe hinauf schreiten, wir sagen: eins, zwei, drei, nicht: erster, zweiter, dritter. “So spricht der Herr: Ich bin der Erste und der Letzte, und außer mir ist kein Gott” (Jes. 44, 6). Bis heute haben wir auch nicht von einem zweiten Gott gehört. Wenn wir Gott aus Gott anbeten, betonen wir auch das Charakteristische der Hypostasen und bleiben bei der Monarchie, ohne das Trinitätsdogma aufzulösen (oder: aufzuspalten). Es erscheint zwar eine einzige Gestalt in Gott dem Vater und Gott dem Einziggeborenen, im Unveränderlichen des Göttlichen stellt sie sich dar. Also der Sohn im Vater, und der Vater im Sohn, da dieser ist wie er, und er ist wie dieser. Und insgesamt Eins. So dass sie, - jeder eine eigene Person -, eine und noch eine sind. Aber nach der gemeinsamen Natur: beide eins. Wie nun, wenn es eine und noch eine Person ist, sind es dann nicht zwei Götter? Denn auch ein Bild des Königs wird König genannt und nicht zwei Könige. Denn weder wird die Macht abgespalten, noch wird die Herrlichkeit zerteilt. So herrscht über uns eine Kraft und eine Macht, so ist auch die durch uns dargebrachte Doxologie eine und nicht viele, so dass die Wertschätzung des Bildes auf den Prototyp übergeht. Das Bild ist nachahmend, aber der Sohn existiert in Natura. Und wie bei den Künstlern die Gleichheit (des Plans und des Hergestellten) in der Form besteht, so besteht bei der göttlichen und einartigen Natur die Einheit in der Gemeinschaft des Göttlichen. Einer ist auch der heilige Geist, und er macht sich speziell bekannt: durch den einen Sohn, dem einen Vater zugehörig, und durch sich selbst vervollständigt sich die viel und reich gepriesene Dreiheit. Das Wohnen des Sohnes beim Vater wird nicht ausreichend erkannt - er ist nicht innerhalb der Fülle des Geschaffenen eingeordnet - sondern es wird einzigartig verkündigt. Er ist nämlich nicht eins von den vielen, sondern er ist Einer. Denn es ist ein Vater und ein Sohn, so ist auch ein heiliger Geist. Er ist von der Natur des Geschaffenen solcherart zu unterscheiden wie das Einzigartige der zusammengestellten Dinge wahrscheinlich auch Fülle hat. So ist der heilige Geist eins mit dem Vater und dem Sohn wie Einer zur Einheit gehört. 46. Und nicht nur darin, dass Vater und Sohn eine gemeinsame Natur haben, bestehen die Beweise, sondern auch darin, dass gesagt wird: Der Sohn ist “aus Gott”. Aber nicht wie die vielen sagen “aus Gott”, sondern darin (besteht der Beweis), dass er aus Gott hervorgegangen ist. Nicht wie ein Sohn vom Vater abstammt, sondern wie Geist aus seinem Mund hervorgeht. Aber der Mund ist ganz und gar kein Körperteil, noch löst der Geist sich wie ein Hauch auf. Sondern es geht um den göttlichen Mund, und der Geist ist ein lebendiges Sein, Herrin der Verherrlichung. Darin manifestiert sich zwar die Verbindung, aber welcher Art ihre Existenz ist, bleibt unsagbar verborgen. Aber man spricht auch vom Geist Christi, weil er seiner Natur verbunden ist. Deshalb heisst es: “Wenn jemand den Geist Christi nicht hat, der ist nicht von ihm” (Röm. 8, 9). Daher ist es nur recht und würdig, den Herrn zu verherrlichen. “Dieser wird mich verherrlichen” (Joh. 16, 14) sagt Jesus, nicht wie die Schöpfung, sondern wie der Geist der Wahrheit, der in sich die Wahrheit klar strahlen lässt und wie der Geist der Weisheit Christi die Kraft und die Weisheit Gottes in seiner Grösse offenbart; und wie der Paraklet in sich selbst den Parakleten und die Majestät dessen darstellt, der ihn gesandt hat. Und durch seine eigene Würde offenbart er die Grösse dessen, aus dem er hervorgegangen ist. Es gibt also eine natürliche Herrlichkeit: wie etwa der Schein und das Licht der Sonne. Und eine Herrlichkeit von ausserhalb, die grundsätzlich verborgen ist und nur zu denen kommt, die dessen würdig sind. Zwiefach ist auch sie. “Man sagt, ein Sohn verherrlicht seinen Vater und ein Knecht seinen Herrn” (Mal. 1, 6). Die eine Herrlichkeit also ist untertänig und wird uns durch die Schöpfung vorgestellt, die andere, so will ich sagen, ist die durch den Geist vollendete Hausgenossin. Wie Jesus auch über sich selbst sagte: “Ich habe dich verherrlicht auf der Erde und werde das Werk vollenden, das du mir gegeben hast” (Joh. 14, 4). So heisst es auch über den Parakleten: “Er wird mich verherrlichen; denn aus dem Meinigen wird er es nehmen und euch verkündigen” (Joh. 16, 14). So wird auch der Sohn durch den Vater verherrlicht, es heisst: “Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn nochmals verherrlichen” (Joh. 12, 28). So wird der Geist verherrlicht durch die Verbindung des Vaters zum Sohn und durch das Zeugnis des Einziggeborenen, es heisst: “Jede Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben werden; aber die Lästerung (Blasphemie) gegen den Geist wird nicht vergeben werden” (Matth. 12, 31). 47. Durch die erleuchtende Kraft schauen wir unverwandt auf die Schönheit des Bildes des unsichtbaren Gottes, durch sie gelangen wir hinan zur Schau der übermässigen Schönheit des Urbildes, mit dem der Geist der Erkenntnis untrennbar verbunden ist. Die Kraft zur Schau des Bildes gibt die Erkenntnis durch sich selbst denen, die die Wahrheit gerne schauen. Von aussen kommt diese Erkenntnis nicht, sondern sie selbst bringt in den Betrachter die Erkenntnis hinein. So heisst es: “Niemand kennt den Vater ausser dem Sohn” (Matth. 11, 27), und “Niemand kann Jesus einen Herrn nennen, ausser im heiligen Geist” (1. Kor. 12, 3). Denn es heisst nicht “durch” den Geist, sondern “im Geist”. Und “Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten” (Joh. 4, 24). So steht auch geschrieben: “In deinem Licht sehen sie das Licht” (Ps. 35, 10), das heisst, in der Erleuchtung des Geistes (Genitivus objectivus: Erleuchtung durch den Geist, Anm. der Übersetzerin) “sehen wir das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in die Welt kommen” (Joh. 1, 9). Also in ihm offenbart er die Herrlichkeit des Einziggeborenen und gibt den wahren Anbetern in ihm die Gotteserkenntnis. Also der Weg der Gotteserkenntnis kommt von dem einen Geist, durch den einen Sohn, zum einen Vater hin. Und wiederum, das natürliche Gutsein, die natürliche Heiligung und die königliche Würde gehen hervor aus dem Vater, durch den Einziggeborenen auf den Geist hin. Deshalb werden die (drei) Wesen gepriesen, so dass das fromme Dogma von der Monarchie nicht zu Fall kommt. Die aber die Aufzählung praktizieren: erster, zweiter und dritter, müssen einsehen, dass sie den irrtümlichen Polytheismus der Griechen in die reine Theologie der Christen einführen. Die Missetat der Aufzählung führt nur dazu, dass ein erster, zweiter und dritter Gott angebetet würde. Aber uns ist es genug, der Reihenfolge, die der Herr vorgibt (s. Matth. 28, 19), zu folgen. Wer die umstösst, wird nicht weniger Frevel begehen als diese. Die Gemeinschaft der Naturen wird auf diese Art und Weise der Aufzählung aufgelöst, - die sie irrtümlich meinen, aber nichts löst sie auf -, das ist ausreichend ausgeführt. Aber sollten wir mitziehen in Streitereien und törichtem Gerede und einem den zweiten Platz in einer Aufzählung geben? Wir sehen also, was uns aus dem Wort entgegenkommt: “Der erste Mensch” sagt der Apostel “ist von Erde und irdisch. Der zweite Mensch ist der Herr vom Himmel” (1. Kor. 15, 47). Und an anderer Stelle: “Nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche, danach das Geistliche” (1. Kor. 15, 46). Wenn nun nach dem ersten das zweite aufgezählt wird, ist das nachgestellt Aufgezählte weniger zu ehren als das, dem es nachgestellt ist. Dann wäre das Geistliche weniger ehrenwert als das Psychische, und der himmlische Mensch weniger ehrenwert als der irdische. Kapitel XIX 48. An diejenigen, die sagen, der Geist müsse nicht gepriesen werden. Es heisst über den Geist: “Gott ist Geist” (Joh. 4, 24) und “Der Geist unseres Lebens, der gesalbte Herr” (Klagel. 4, 20). Heilig nennt man den Geist wie der Vater und der Sohn heilig sind. Der Schöpfung kommt nämlich die Heiligung von woanders her. Für den Geist aber ist die Heiligkeit die Vervollständigung seiner Natur. Deshalb muss er nicht geheiligt werden, sondern er heiligt. Gut, wie der Vater gut ist und auch der, der aus dem Guten entsteht. Er ist gut in seinem Wesen. Gerecht: Gott der Herr ist gerecht (Ps. 91, 16) dadurch, dass er selbst Wahrheit ist und selbst Gerechtigkeit, er weicht nicht ab und weicht nicht aus, denn sein Wesen ist unveränderlich. “Paraklet”, der Herbeigerufene, nennt man ihn, wie auch den “Einziggeborenen”, wie er selbst sagt: “Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Parakleten geben” (Joh. 14, 16). Die Bezeichnungen, die für den Vater und den Sohn stehen, gelten auch für den Geist, der wegen seiner Zugehörigkeit zu ihrer Natur mit diesen Bezeichnungen benannt wird. Womit sonst? Auch als Herrscher wird er benannt und Geist der Wahrheit, Geist der Weisheit. “Der Geist Gottes hat mich geschaffen” (Hiob 33, 4), und “Ich habe den Bezaleel mit göttlichem Geist erfüllt, mit Weisheit, mit Verstand und mit Kenntnis” (2. Mose 31, 3). So sind also die Bezeichnungen: ausserordentlich und gross. Sie erreichen aber noch nicht das Äusserste zu seiner Herrlichkeit. 49. Durch welche Wirkungen entstehen sie? Unsagbar durch die Grösse, unzählbar auch durch die Fülle. Wie erkennen wir das, was vor dieser Weltzeit war? Gab es Wirkungen vor der zur Erkenntnis fähigen Schöpfung? Wer ist die Kraft in den noch kommenden Weltzeiten? Der Geist war schon da, präexistient, beim Vater und beim Sohn vor den Weltzeiten. Wenn du dir also noch etwas vor den Weltzeiten vorstellst, wirst du es finden nach dem Geist. Wenn du an die Schöpfung denkst, stehen denn die Himmelskräfte fest ohne den Geist? Es geht um ein Feststehen, das klar als aus dem unwandelbar Guten hervorgegangen zu erkennen ist. Denn die Gemeinschaft mit Gott, die Abwendung vom Bösen und das Verweilen in der Glückseligkeit erhalten wir durch den Geist. Auch die Gegenwart Christi, der Geist eilt voraus. Das Kommen Christi im Fleisch, der Geist ist nicht davon zu trennen. Krafttaten, Heilungsgaben bestehen durch den heiligen Geist. Man treibt Dämonen aus im Geist Gottes. Der Teufel wird bezwungen in Gegenwart des Geistes. Die Erlösung von Sünden geschieht durch die Gnade des Geistes. “Ihr habt euch abwaschen lassen, ja, ihr seid geheiligt worden, ja, ihr seid gerecht gesprochen worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes” (1. Kor. 6, 11). Wir kommen zu Gott durch den Geist. “Gott hat den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater!” (Gal. 4, 6). Die Auferstehung von den Toten geschieht durch den Geist: “Sendest du deinen Odem aus, so werden sie geschaffen, und du erneust das Antlitz der Erde” (Ps. 103, 30 LXX). Wenn jemand die Schöpfung versteht als Wiederbelebung von Zerfallenem, wie sollte nicht die Grösse des Geistes selbst die wirksame Kraft sein, die uns das Leben aus der Auferstehung spendet und unsere Seelen umgestaltet zum geistlichen Leben? Wenn man sagte, die gegenwärtige Schöpfung gelange vom Sündenfall zu einer Umgestaltung zum Besseren, dann redet man schriftgemäss, wie Paulus schreibt: “Wenn jemand in Christus ist, ist er eine neue Kreatur” (2. Kor. 5, 17). Diese Erneuerung und die Verwandlung vom irdischen und gefallenen Leben zum himmlischen Reich geschieht durch den Geist, der unsere Seelen zu aller übergrossen Freude hinan bringt. Sollten wir nun ein Übermass an Ehrerbietungen dem Geist gegenüber fürchten, oder im Gegenteil glauben, ihn in Bedeutungslosigkeit herabzusetzen, obwohl wir es doch so einschätzen, dass wir ihm das Höchstmass an aus menschlicher Erkenntnis oder Sprache hervorzubringenden Bezeichnungen beimessen? So spricht der heilige Geist, so sagt auch der Herr: “Zieh hinab und gehe ohne Bedenken mit ihnen; denn ich habe sie gesandt” (Apg. 10, 20). Sind das etwa Worte über ein untergeordnetes, sich fürchtendes Wesen? “Sondert mir doch den Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie gerufen habe!” (Apg. 13. 2). So drückt sich doch ein untergeordnetes Wesen nicht aus! Und Jesaja schreibt: “Gott der Herr hat mich gesandt mit seinem Geiste” (Jes. 48, 16). Und: “Der Geist des Herrn führte sie” (Jes. 63, 14). Und komme mir nur nicht mit einem “untergeordneten Dienst”! Dies nämlich ist Gottes Werk, das Wort bezeugt es: “Du führtest dein Volk wie eine Herde” (Ps. 76, 21 LXX). Und “Du leitest Josef wie Schafe” (Ps. 79, 1 LXX). Und: “Er führte sie sicher ohne Schrecken” (Ps. 77, 53 LXX). Wenn du also vernimmst, dass der “Paraklet, den der Vater in meinem Namen senden wird, euch alles lehren wird und euch an alles erinnern, das ich euch gesagt habe, er wird euch in alle Wahrheit leiten” (Joh. 14, 26 u. Joh. 16, 13), dann erkenne, dass du geführt wirst, wie du gelernt hast, und entstelle nicht die Erkenntnis! 50. Aber Paulus sagt: “Der Geist tritt für uns ein” (Röm. 8, 26). Wenn der flehende Geist Gott nachstünde, dann würde er im Blick auf die ihm zukommende Ehrerbietung niedriger als Gott stehen. Hast du denn noch nie über den Einziggeborenen gehört, dass “er zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt” (Röm 8, 34)? Lehrt uns Blinde nun nicht der Geist - wenn er tatsächlich in dir ist - und führt uns, damit wir die selige und heilige Herrlichkeit erreichen, die wir durch ihn bekommen?! Es wäre ein Zeichen von übergrossem Unverstand, aus der Liebe des gnädigen Gottes zu den Menschen ein Motiv für Undankbarkeit zu machen. “Betrübt den heiligen Geist nicht!” (Eph. 4, 30). Hört, was der erste Märtyrer Stephanus sagte, was er dem ungehorsamen und widerspenstigen Volk vorhielt: “Ihr widerstrebt fortwährend dem heiligen Geist (Apg. 7, 51). Und wiederum schreibt Jesaja: “Sie aber empörten sich und betrübten seinen heiligen Geist; da wandelte er sich ihnen zum Feinde, er selbst stritt gegen sie” (Jes. 63, 10). Und an anderer Stelle heisst es: “Das Haus Jakob erzürnte den Geist des Herrn” (Ps. 105, 32 LXX). Stellt sich hier nicht eine vollmächtige Kraft dar? Ich überlasse es der Entscheidung derer, die dies hören, wie sie es aufnehmen wollen: Wie es bei einem Instrument wäre, bei etwas Untergeordnetem, gleich zu schätzen wie die Schöpfung und wie unser Mitdiener? Oder wäre dies nicht unheilvoll und mit anderen Worten eine Blasphemie, dies den Frommen unterzuschieben?! Du meinst, der Geist sei ein Sklave? Aber der Herr sagt: “Der Sklave weiss nicht, was sein Herr tut” (Joh. 15, 15). Also weiss der Geist, was in Gott ist, wie auch der Geist des Menschen weiss, was im Menschen ist. Kapitel XXIII 54. Das Preisen des Geistes ist die Aufzählung seiner Eigenarten. Man glaubt, dass nun jede andere der Mächte (Engel) an einem festgesetzten Ort ist. Der Engel, der bei Kornelius stand, war nicht im selben Augenblick auch in Philippi, auch der, der zu Zacharias am Altar sprach, füllte nicht zum selben Zeitpunkt seinen Platz im Himmel aus. Man glaubt jedoch, dass der Geist zugleich in Habakuk wirkte und in Daniel in Babylon, und dass er zu Jeremia herabkam und bei Hesekiel am Fluss Chobar war: “Als ich am Fluss Chobar unter den Exilierten war, da tat sich der Himmel auf, und ich sah den Himmel offen, und ich sah göttliche Visionen” (Hes. 1, 1). “Der Geist des Herrn erfüllt die ganze Welt” (Weish. 1, 7), und “Wohin soll ich gehen vor deinem Geist? Wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?” (Ps. 138, 7 LXX). Und der Prophet schreibt: “Ich bin mit euch, spricht der Herr der Heerscharen, und mein Geist bleibt mitten unter euch” (Hagg. 2, 4f). Er, der überall ist und bei Gott, welche Natur soll man sagen, kommt ihm zu? Die, die alles umgibt, oder die, die teils hier, teils da räumlich begrenzt sich befindet? Welche Aussage bezeichnet uns die Natur der Engel? Wer könnte das sagen? Der nun göttlicher Natur ist, der an Grösse Unbegrenzte, der im Wirken Kraftvolle, der in den Wohltaten Gute, der wäre nicht zu erheben? Den sollten wir nicht preisen? Das Preisen des Geistes ist nichts anderes - nach meiner Aussage - als das Aufzählen seiner wunderbaren Eigenarten. Die anderen ordnen an, wir mögen des Guten, das von ihm kommt, nicht gedenken, oder die Grösse des Lobpreises vervollständige einfach seine Eigenarten. Man kann Gott, sowohl den Vater unseres Herrn Jesus Christus, und seinen einziggeborenen Sohn nicht anderes preisen, als - nach unseren Kräften - seine Wunder aufzuzählen. Kapitel XXIV Die Eigenheit derer, die den Geist nicht preisen. Ein Vergleich (des heiligen Geistes und seiner Stellung) mit dem, was in der Schöpfung gepriesen wird. 55. Folglich: Für alle Menschen gilt, sie sind “mit Ehre und Hoheit gekrönt” (Ps. 8, 6), und “Ehre und Preis und Friede einem jeden, der das Gute tut” (Röm. 2, 10) steht in den Verheissungen. Es gibt also eine Herrlichkeit, die nur Israel zukommt. Der Apostel schreibt: Ihnen “kommt die Sohnschaft zu und die Herrlichkeit und der Gottesdienst” (Röm. 9, 4). Und der Psalmist spricht von seiner eigenen Ehre: “Darin, dich zu loben, ist meine Ehre” (Ps. 29, 13 LXX). Und wiederum: “Wache auf, meine Ehre” (Ps. 107, 2 LXX). Es gibt aber auch eine Herrlichkeit der Sonne, des Mondes und der Sterne. Nach dem Apostel auch “Herrlichkeit des Dienstes der Verdammnis” (1. Kor. 3, 9). Da es nun solcherlei Wesen gibt, die zu verehren sind, willst du nun, dass der Geist als einziger nicht gepriesen wird? Allerdings, “der Dienst des Geistes ist in Herrlichkeit” (2. Kor. 3, 8). Wie wäre nun er selbst nicht würdig, gepriesen zu werden? Die Herrlichkeit des Dienstes ist zwar gross nach dem Psalmisten (Ps. 20, 6). Aber die Herrlichkeit des Geistes wäre nach deiner Meinung gleich Null? Wie könnte nun unklar sein, dass Gefahr besteht, dass man aus solchen Reden unausweichlich die Sünde auf sich zieht? Wenn der aus der Gerechtigkeit der Werke gerettete Mensch auch lobpreisend den Herrn verehrt, wie könnte gleicherweise notwendig sein, dass der Geist der Ehre beraubt wird, die ihm gebührt? Es sei also, sagen sie, der Geist zu verehren, aber nicht mit dem Vater und dem Sohn. Und weshalb sollte man sich einen anderen Platz für den Geist vorstellen beziehungsweise den ausser Acht lassen, den er bei dem Herrn hat, und ihm die gemeinsame Ehre vorenthalten, ihm, der überall wie die erhabene Göttlichkeit anwesend ist, im Bekenntnis des Glaubens, in der Erlösung durch die Taufe, im Zusammenwirken der Kräfte, in der Wohnung der Heiligen, die ihm untertan sind? Es ist nämlich keine Gabe ohne den heiligen Geist in die Schöpfung gekommen. Man kann auch kein einziges Wort reden zur Apologie Christi ohne das Mitwirken des heiligen Geistes, wie wir in den Evangelien durch unseren Herrn und Retter lernen. Wenn nun jemand dies alles preisgibt, in allen Bereichen vergisst und den Geist vom Vater und vom Sohn abspaltet, dann weiss man nicht, ob einer, der des heiligen Geistes teilhaftig ist, damit einverstanden wäre. Wie wollen wir den Geist nun positionieren? Mit der Schöpfung? Die Schöpfung ist jedoch völlig untertan. Aber der Geist macht frei. “Wo der Geist des Herrn ist, ist Freiheit” (2. Kor. 3, 17). Noch vieles könnte man dazu sagen, dass der Geist nicht mit dem natürlich Geschaffenen zusammen zu stellen ist. Ich werde jetzt nicht noch mehr darüber sagen. Wenn es nämlich nötig wäre - wegen der Wichtigkeit des Themas - unsere Beweise anzubringen und die Gegenreden der Gegner ausser Kraft zu setzen, wären sehr viele Reden nötig, wir würden den Leser durch die Vielstimmigkeit des Gesagten aufreiben. Deshalb werden wir dies durch ein spezielles Werk bearbeiten, es geht um unsere Obliegenheiten. Kapitel XXVI 64. Eine zweite Bedeutung, die nicht zu verwerfen ist: So wie der Vater in dem Sohn erblickt wird, so der Sohn im Geist. Die Anbetung im Geist also, die sich im Licht der Erkenntnis ereignet, gibt uns Wirkungen, wie man aus den an die Samaritanerin gerichteten Worte erkennen kann: Nach der angestammten, irreführenden Sitte sollte die Anbetung an einem Ort stattfinden; unser Herr lehrt und sagt, im Geist und in der Wahrheit solle angebetet werden, er selbst sprach offensichtlich die Wahrheit. Was wir die Anbetung im Sohn nennen, und zwar die Anbetung im Bilde Gottes, des Vaters, geschieht so auch im Geist, denn in ihm selbst offenbart sich die Göttlichkeit des Herrn. Der heilige Geist ist also vom Vater und vom Sohn nicht trennbar. Ohne ihn gibt es überhaupt keine Anbetung. Wenn man in ihm ist, ist man an keinem Ort von Gott getrennt. Auch nicht mehr als der Betrachter eines Lichts vom Licht getrennt ist. Es ist nämlich unmöglich, das Bild des unsichtbaren Gottes zu sehen, es sei denn durch die Erleuchtung des heiligen Geistes. Wer sich in das Bild hinein versenkt, der wird das Licht nicht vom Bild trennen können. Denn die Ursache des Sehens wird notwendigerweise mit dem zusammen gesehen, was man sieht. So sehen wir folglich durch die Erleuchtung des heiligen Geistes den Abglanz der Herrlichkeit Gottes. Durch das Abbild werden wir zu ihm hingeführt. Das Abbild trägt sein Bild und seine Gestalt als Siegel. Kapitel XXVII Wie die Partikel “mit” entstand, welche Bedeutung sie hat und worin die ungeschriebenen Gesetze der Kirche bestehen. 65. Unsere Gegner fragen uns: ‘Weshalb nun wird das Wort “mit” mit dem Geist zusammen verwendet? Denn es reicht uns völlig aus, ihn zu kennen. Weshalb führt ihr uns diese neue Partikel ein und sagt “mit” dem Geist und nicht “in” dem heiligen Geist? Diese Worte sind nicht nötig, auch nicht in den Kirchen gebräuchlich’. - Es wurde schon früher gesagt, dass es nun kein Zufall ist, dass die Partikel “in” an den heiligen Geist denken lässt, sondern dass sie zum Vater und zum Sohn gehört. Ich glaube aber, dass auch jedes ausreichend ausgeführt wurde, dass sie nicht nur dem heiligen Geist nicht die Würde nimmt, sondern das Denken derer, die nicht völlig verdreht sind, zu den höchsten Höhen bringt. Es muss noch über das Wort “mit” ausgeführt werden, woher es stammt, welche Bedeutung es hat und wie es mit der Schrift übereinstimmt. 66. Die Kirche hütet Verkündigung und Lehren. Manche Verkündigung haben wir aus der geschriebenen Lehre, andere Sitten sind uns aus der Überlieferung der Apostel gegeben, und wir haben Lehren, die wir im Verborgenen empfangen. Geschriebenes und Ungeschriebenes leitet uns kraftvoll zur Frömmigkeit. Nichts stellt beide Überlieferungen in Abrede, wenn man es auch nur ein wenig anhand eines kirchlichen Brauches betrachtet. Denn wenn wir uns die ungeschriebenen Sitten vornehmen, als wenn ihnen keine grosse Kraft zukäme, würden wir damit Schaden nehmen was die wesentlichen Tatsachen des Evangeliums angeht. Und mehr noch, man würde die Verkündigung zu einem blossen Begriff herabwürdigen. Zum Beispiel - man bedenke, was allererst und allgemein christlich ist - durch das Kreuzzeichen hoffen die Menschen auf den Namen des Herrn, wer hat uns das schriftlich gelehrt? Sich nach Osten zu wenden beim Gebet, welche Schrift lehrt uns das? Die Epiklese bei der Weihe des Eucharistiebrotes und des Segenskelches, welcher Heilige hat uns das schriftlich überliefert? Denn die überlieferten Worte reichen uns nicht, die der Apostel und das Evangelium uns bringen, sondern wir sagen andere Worte davor und danach, die grosse Wichtigkeit haben für das Geheimnis, und sie kommen aus der ungeschriebenen Lehre. Wir segnen das Taufwasser, das Salböl und auch den Getauften selbst. Aus welchen Schriften? Nicht aus der heimlichen und verborgenen Überlieferung? Was also? Und das Salböl selbst, welches geschriebene Wort hat es gelehrt? Das dreimalige Untertauchen, woher? Und alles, was zur Taufe gehört, dem Satan entsagen und seinen Engeln, aus welcher Schrift kommt das? Kommt es nicht aus dieser geheimen und nicht gesprochenen Lehre, die unsere Väter in aufmerksamem und rastlosem Schweigen hüteten, wohl wissend, dass die Mysterien durch die Tugend des Schweigens weiterleben? Denn da es den Ungeweihten nicht erlaubt ist, die Geheimnisse zu erschauen, wie könnte es ihnen denn gelingen, die Lehre im Geschriebenen zu erkennen? Und was wollte der grosse Mose, da nicht für alle das ganze Heiligtum zugänglich war? Ausserhalb des Heiligen blieben die Ungeweihten, der erste Vorhof war für die Reineren, nur die Leviten waren würdig, Gott zu dienen. Schlachtopfer und Brandopfer und die anderen heiligen Handlungen waren den ausgesonderten Priestern anvertraut, einem, der aus allen erwählt war, war gestattet, ins Allerheiligste zu treten. Und nicht allezeit, sondern für einen Tag des Jahres, zu einer bestimmten Stunde, so dass ihm bestimmt war, in Ausserordentlichkeit und heiligem Schrecken, das Allerheiligste zu schauen. In seiner Weisheit wusste Mose, dass man hochmütig werden könnte auf Grund dessen, was man gewohnt ist und wozu man Zutritt hat, aber dass etwas Ungewöhnliches und Seltenes natürlich wie das Allerköstlichste dazukommt. Auf dieselbe Art und Weise haben die gleich am Anfang der Kirchen eingesetzten Apostel und Väter die Mysterien im Verborgenen tugendhaft in heiliger Stille gehütet. Was vor gewöhnliche Ohren kam, ist nämlich kein Mysterium mehr. Dies ist der Grund für die ungeschriebenen Überlieferungen, dass die Erkenntnis der Lehren von allen geringgeschätzt würde, wenn sie sich daran gewöhnten. Denn die Lehre ist das eine, die Verkündigung ist das andere: Die eine wird verschwiegen, die andere öffentlich gemacht. Es ist eine Art Schweigen und Undeutlichkeit in der Schrift, unsichtbar hat sie für uns den Sinn der Lehren bereit, damit die, die sich damit befassen, Gewinn haben. Dank dessen blicken wir alle beim Gebet nach Osten. Wenige wissen, dass wir uns nach dem alten Vaterland sehnen, dem Paradies, das Gott in Eden im Osten gepflanzt hatte. (1. Mose 2,8). Es ist recht, dass wir unsere Gebete am ersten Tag der Woche entrichten. Den Sinn wissen nicht alle. Denn es geht nicht nur darum, dass wir, mit Christus auferstanden, suchen, was droben ist; am Auferstehungstag erbitten wir, dass uns Gnade gegeben wird. Daran erinnern wir uns an diesem ersten Tag der Woche. Auch ist uns dieser Tag wie ein Bild des kommenden Äon. Deshalb wurde am Anfang aller Tage der Tag nicht “erster” genannt, sondern “eins”: “Es wurde Abend, und es wurde Morgen, Tag eins” (1. Mose 1, 5), als wenn der selbe Tag immer wiederkehrt. Dieser eine Tag nun ist auch der achte, tatsächlich der achte, den auch der Psalmist in manchen Überschriften der Psalmen erwähnt (Ps. 6+12 LXX, wahrscheinlich musikalische Anordnung) und dadurch den Zeitpunkt, den immer wiederkehrenden Tag, der keinen Abend kennt und keinen Morgen, der nicht endet und nicht altert, er ist der nie alternde Äon. Für die Kirche tragen die an diesem Tag stattfindenden Gebete zu ihrer eigenen Erfüllung bei, damit wir durch stets erinnern ans nie endende Leben, so versäumen wir nicht jenen Weg der Veränderung. Und jedes Pfingsten ist die Erinnerung an die Auferstehung, die wir in der Ewigkeit erwarten. Dieser einzigartige und erste Tag, sieben mal sieben genommen, vervollkommnet die sieben heiligen Pfingstwochen. Pfingsten beginnt mit dem ersten und endet mit dem letzten Tag, indem es fünfzigmal in Zeitabschnitten von gleichen Tagen abläuft. So wird die Ewigkeit nachahmend dargestellt, da sie ja, wie in kreisender Bewegung, in denselben Spuren von ihrem Anfang an verläuft und gleich bleibt. Zurzeit sind wir durch die Satzungen der Kirche angewiesen, in rechter Haltung die Gebete darzubringen: Wir versetzen unseren Geist ganz klar vom Gegenwärtigen zum Zukünftigen. Und bei jedem Niederknien und Aufrichten stellen wir in diesem Akt dar, dass wir wegen der Sünden auf den Boden niederfallen und durch die Liebe unseres Schöpfers zu uns Menschen zum Himmel hinan gerufen sind. Kapitel XXX Erörterung des augenblicklichen Zustands der Kirchen. 76. Womit wollen wir nun den augenblicklichen Zustand der Kirche vergleichen? Irgendwie gleicht die Lage einer Seeschlacht, die einige Seeschlächtler wegen alter Streitigkeiten, von grosser Wut gegeneinander befallen, angezettelt haben. Ich sehe es vor mir: Furchterregend und von beiden Seiten bricht die Seeschlacht aus, dann geht sie in unheilvolle Wut über, und dann die Zerstörung. Vermute, wenn du willst, dass die Flotte durch einen schweren Sturm bedrängt wird und Nebelschwaden die Sicht nehmen. Alles ist verfinstert, so dass überhaupt nicht mehr zwischen Freunden und Feinden zu unterscheiden ist, die Kennzeichen selbst sind in der allgemeinen Verwirrung nicht zu erkennen. Fügen wir, um ein deutliches Bild zu haben, auch das unruhige Meer hinzu, ein Drunter und Drüber, und heftig aus dem Dunst hervorbrechendes Wasser, fürchterlich aus der Brandung heraustretenden Wogenschwall. Dann fallen alle Winde von allen Seiten her in einem Punkt zusammen und zerschmettern das ganze Geschwader. Die Kämpfer verlassen die Schlachtordnung und geben den Kampf auf. Alle aber müssen notwendigerweise auch die Schiffe von den Winden, die sie bedrängten, wegziehen und den Angreifern entreissen. Sie werden sich gegenseitig verachten in Anbetracht der Lage, die mit sich bringt, dass einer über den anderen die Oberhand will und auch die Begierde vorhanden ist, sich gegenseitig zu beherrschen. Beherzige auch, dass bei allem, was dort auf dem Meer stattfindet, eine gewisse Unkenntlichkeit vorhanden ist durch die Winde umher, das Zerschellen der Schiffe, durch die Brandung, durch das Geschrei der Kämpfenden und alles Getöse bei diesem Vorgang. Es wird weder auf die Stimme des Admirals noch auf die des Vizeadmirals gehört, sondern es herrscht eine fürchterliche Unordnung und Vernichtung: das übermässig Schlechte, durch die Verzweiflung am Leben, alle in der sorglosen Möglichkeit des Sündigens. Setze bei den Kämpfenden auch noch eine unbegreifliche, rasende, krankhafte Ruhmsucht voraus. Das Schiff geht also schon unter, aber keine der Kampfparteien gibt nach, sondern jede Partei will obsiegen. 77. Ich schreite fort von der Beschreibung des Bösen zu seinem Urbild: Scheint sich nicht seit langem das Arianische Schisma wie in einer Schlachtreihe aufzustellen, abgesondert als Partei gegen die Kirche Gottes, allein für sich? Da sie sich in einem langen und mühseligen Streit entgegenstellen, weil sie uns gegenüber auf einen offensichtlichen Kampf aus sind, ist der Kampf schon vielfältig auf unzählige Weisen ausgebrochen. So zum Beispiel durch allgemeine Feindseligkeit, durch spezielle Verdächtigung, und bei allen besteht ein unversöhnlicher Hass. Ist aber die Bewegung in den Kirchen nicht etwas Stärkeres als die Brandung des Meeres? Das ganze Fundament und was wir haben an feststehenden Lehren schwebt in Gefahr. Alles ist in Verwirrung geraten, und was auf morscher Grundlage steht, stürzt ein. Wenn wir uns aufeinander stürzen, werden wir uns gegenseitig umwerfen. Und wenn der Gegner dich nicht zuerst trifft, dann wird dein Gefährte dich verletzen. Und wenn du verletzt zu Boden stürzt, wird dein Kampfgefährte über dich hinweg steigen. Nur durch das Hassen sind wir als Gegner miteinander in Verbindung. Wenn auch die Zeit der feindlichen Auseinandersetzung vorüber ist, sehen wir uns doch immer noch als Feinde an. Wer könnte diesbezüglich überhaupt die Trümmer zählen? Einige gehen aufgrund des Angriffs der Gegenpartei unter, einige aufgrund des heimlichen Angriffs der Mitstreiter, andere aufgrund der Unerfahrenheit der Leitenden. Davon ist die gesamte Kirche betroffen, wo etwa Menschen zugrunde gehen, wenn sie auf unterschwellige List der Häretiker stossen, und einige von den Feinden der heilsamen Passion erleiden wieder Schiffbruch im Glauben, wenn sie das Steuerruder in die Hände bekommen. Sind aber die Verwirrungen, die von den Herren dieser Welt herbeigeführt werden, nicht stürmischer und viel furchterregender als die Stürme, die Menschen umwerfen? Eine grosse und furchtbare Verdunkelung legt sich über die Kirchen, da die Leuchten für die Welt, die Gott bestellt hat, um die Seelen der Menschen zu erleuchten, verbannt sind. Dass sie aber so masslos wetteifern, sich gegenseitig den Vorrang streitig zu machen, lässt fürchten, dass alles in eine schon drohende Auflösung gerät. Der allgemeine Kampf im Volk ist mehr Feindschaft gegen sich selbst, denn der Ruhm, die eigenen Leute zu bezwingen, hat höhere Bedeutung als das, was allen nützt. Sie ziehen den augenblicklichen Ehrgeiz dem späteren, vorzüglichen Lohn vor. Sie erheben also alle in gleicher Weise, so wie jeder es vermag, ihre blutrünstigen Hände gegeneinander. Ein rauhes Geschrei derer, die sich gegeneinander in Rede und Gegenrede aufreiben, konfuser Lärm, verworrener Widerhall von ununterbrochenem Tumult erfüllt die ganze Kirche, ob sie nun durch Übereifer oder Mangel das rechte Dogma der Frömmigkeit verfälschen. Die einen werden durch den Judaismus zur Vermengung der Personen, die anderen durch den Hellenismus zur Gegensätzlichkeit der Personen fortgerissen. Weder die von Gott inspirierte Schrift noch die apostolischen Überlieferungen reichen ihnen aus für einen gegenseitigen Friedensschluss. Innerhalb von Freundschaft kann man freundlich reden. Dagegen führt eine nicht vorhandene Übereinstimmung der Meinungen zu Abneigung. Jede Verabredung zu einem gemeinsamen Aufruhr ist zuverlässiger als welcher Eid auch immer. Jeder redet über Gott, auch wer eine mit unendlich vielen Blessuren übersäte Seele hat. Daher haben die, die Neuerungen einführen, grosse Möglichkeiten, sich am Aufruhr zu beteiligen. So sind die selbst und schnell Gewählten zur Leiterschaft der Kirchen bestimmt worden, um die Heilsordnung des heiligen Geistes kümmern sie sich nicht. Sie sind also, widerspenstig wie sie sind, gänzlich von den evangeliumsgemässen Ordnungen abgekommen, es herrscht ein unbeschreiblicher Streit um die Plätze der Vorsitzenden. Gewaltsam setzten sie sich ein, weil sie danach trachten, auf den vordersten Plätzen zu erscheinen. Diese Herrschsucht bringt für die Leute auch eine furchtbare Anarchie mit sich. Die Ermahnungen der Lehrer sind wirkungslos und unnütz: Jeder denkt, er sei nicht mehr Gehorsam schuldig, als er in der Verblendung seiner Unwissenheit meint, die anderen regieren zu können. 78. Deshalb ist Schweigen nützlicher als Reden, denn eine menschliche Stimme kommt in solchem Getöse nicht zu Gehör. Wenn die Worte des Predigers wahr sind, dass “die Worte der Weisen in der Stille zu vernehmen sind” (Pred. 9, 17), wäre genau dies jetzt sehr angemessen in Anbetracht der augenblicklichen Lage. Mir kommt auch jenes prophetische Wort in den Sinn: “Darum schweigt, wer klug ist, zu dieser Zeit; denn es ist eine böse Zeit” (Amos 5, 13). Es ist jetzt die Zeit, in der die einen den anderen ein Bein stellen, wieder andere stürmen herzu zum Gestürzten, und wieder andere applaudieren. Es gibt aber niemanden, der dem Gestürzten aus Mitgefühl die Hand entgegenstreckt. Gleichwohl aber, gemäss dem alten Gesetz, gilt: Wer vorbeizieht am Lasttier seines Feindes, das unter seiner Last zusammengebrochen ist, ist nicht unsträflich. Aber das gilt jetzt nicht mehr. Warum? Dadurch, dass alle Liebe erkaltet, die Einmütigkeit unter den Brüdern ist verschwunden. Völlig unbekannt ist sogar die Bezeichnung “Eintracht”. Auch die liebevolle Ermahnung ist verschwunden. Keine christliche Gesinnung mehr, keine Tränen des Mitgefühls. Dem im Glauben Schwachen steht niemand bei, aber es ist ein solcher Hass gegeneinander innerhalb der gleichen Sippe entfacht, dass von den meisten zu Boden Gestürzten mehr Leute prahlen als jemand von den eigenen Leuten, der Erfolg hatte. Es ist wie in Zeiten der Pest: Die sich intensiv um alles kümmern, übertragen dieselbe Krankheit auf die anderen, weil sie mit den Infizierten Umgang haben. So geht es auch uns auf Grund dessen, dass die Kampfparteien von Eifer erfüllt sind, von ruhmsüchtigem Streben nach dem Bösen. Deshalb halten ungerechte und harte Ausleger Synoden ab, sie wurden von Unwissenden ausgewählt und sind ungnädig und feindselig. Und so hat sich, wie es scheint, das Böse unter uns festgesetzt, so dass wir sogar unverständiger sind als die Unverständigen. Und dementsprechend wie die Verwandtschaft der Sippe uns zusammenbringt, so ist der furchtbarste Kampf der gegen die eigenen Hausgenossen. 79. Aus all diesen Gründen muss nun geschwiegen werden. Die Liebe zieht uns in eine andere Richtung: sie sucht nicht das Ihre, sie bewältigt angemessen alle Angelegenheiten und Widrigkeiten. Man lehrte uns auch zum Beispiel über die Männer in Babylon (drei Männer im Feuerofen, Dan. 3). So wie sie wollen auch wir das uns Auferlegte vollenden. Um die drei Männer herum (bei den Heiden) war keine Gottesfurcht. Aber sie lobten Gott mitten aus dem Feuer heraus, sie beachteten nicht die vielen, die die Wahrheit zunichte machten, sondern sie genügten einander. Deshalb kann uns der Schwarm der Feinde nichts anhaben, sondern wir setzen unsere Hoffnung ganz auf den Beistand des Geistes, in fester Überzeugung haben wir die Wahrheit verkündigt. Ist es nicht ganz schrecklich, dass die, die den heiligen Geist lästern, so einfach sich erkühnen, die fromme Lehre zu zerschmettern? Und wir, wo wir einen so grossen Mitstreiter und Beistand haben, sollten uns scheuen, der Lehre zu dienen, die aus der Überlieferung der Väter kommt und treu aufbewahrt auf uns kam? Des weiteren aber haben wir den Antrieb, der aus der Glut deiner lauteren Liebe kommt, von deiner ernsten uns sanften Art geprägt. Diese Liebe bürgt uns dafür, dass unsere Ausführungen nicht weiter ausuferten. Nicht, dass etwas zu verbergen wäre, sondern, um die Perlen nicht vor die Säue zu werfen. Davon nun genug. Wenn meine Worte dir ausreichen, hier noch ein Wort diesbezüglich. Wenn dir aber meine Worte unzureichend erscheinen, wirst du dich gerne mühen, weiter zu suchen und, bar aller Ruhmesgier, an Erkenntnis zunehmen. Denn der Herr wird allen Mangel auffüllen, - sei es durch uns oder durch andere -, gemäss der Erkenntnis, die der heilige Geist denen gibt, die dieser Erkenntnis würdig sind. |
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